Albrecht Dürer Superstar – Spektakuläre Ausstellung in der Albertina

Albrecht Dürer ist der bekannteste Renaissance-Künstler nördlich der Alpen. Während in Florenz mit Michelangelo oder Raffael relativ früh begann, konnte erst der exzentrisch Künstler aus Nürnberg ihr im Norden zum Durchbruch verhelfen.

Die Verbindung zwischen den Werken Dürers und der Albertina entstand übrigens relativ früh. Der Nürnberger Kaufmann Willibald Imhoff übernahm die Zeichnungen schon um 1550 im Konvolut aus Dürer Nachlass. Von dort kamen sie in die Sammlung des berühmten Kunstmäzen Kaiser Rudolf II. in dessen Sammlung nach Prag und schließlich schon 1796 auf Initiative des Albertina-Gründers Albert von Sachsen-Teschen in den Besitz der Albertina, wo sie bis heute geblieben sind.

Und exzentrisch muss Dürer auf seine Zeitgenossen gewirkt haben – mit seinen langen, blonden Locken, die er jeden Tag mehrere Stunden mit Eiweiß in Form gebracht und zu seinem markanten Markenzeichen gemacht haben soll. Und so kann man Dürer in vielen seiner Arbeiten wiedererkennen. Und im Vergleich zu anderen konnte Albrecht Dürer wohl schon zu Lebzeiten seinen Ruhm genießen.

1471 wurde der große Meister in Nürnberg geboren. Schon früh erkannten die Eltern Albrechts Talent zum Zeichnen. Doch sein Vater bestand zunächst darauf, dass der Junge das Familienhandwerk lernen sollte. So ist auch eines der Highlights der Ausstellung ein Selbstporträt Dürers im Alter von 13 Jahren, was als eines der frühesten Kinderselbstbildnisse der Geschichte gilt. Außergewöhnlich für die Zeit entstand das Selbstporträt mit dem Silberstift.

Selbstporträt im Alter von 13

Doch seine Goldschmiedelehre brach Dürer aber ab und ging in die Werkstatt von Michael Wolgemut um seine Zeichenkunst zu perfektionieren. Danach ging Dürer auf Gesellenwanderschaft und landete dabei zunächst am Oberrhein, lernte in Colmar und in Basel die Grundlagen des Buch- und Grafikdrucks. So waren auch viele seiner Drucke ursprünglich als Illustrationen für Bücher gedacht.

Buchlillustration von Albrecht Dürer

Vor allem im Kupferstechen wurde Dürer ein Virtuose und im Bereich der Druckgrafik machte sich Dürer einen Namen. Als er 1494 zurückkehrte, heiratete er Agnes Frey und die beiden gründeten eine Druckwerkstatt, sie war für den Verkauf, er für die Produktion zuständig. In etwa in dieser Zeit dürfte Dürer auch seine ganz eigene Signatur entwickelt haben – seine ineinander verschränkten Initialien, die ihn zum ersten Künstler machten, der sein eigenes Logo in die Bilder einband.

Seine Zeichnungen und Stiche umfassten zunächst klassische Themen. Antike Sagen faszinierten ihn. Später kamen auch Naturstudien sowie Proportionsstudien und Akte hinzu.

Eines von Dürers bekanntesten Werken steht im Mittelpunkt der Ausstellung.

Der Dürerhase – Eine Legende

Mit dem Dürerhasen hat Albrecht Dürer 1502 einen Karrierehöhepunkt erreicht. Bedenkt man, dass der Hase ein Fluchttier ist, wurde er zur damaligen Zeit erstmals mit so einem Detailreichtum und so einer Lebendigkeit gezeigt. Die Details gehen sogar so weit, dass sich ein Fensterkreuz aus Dürers Atelier im Auge des Tiers spiegelt. Zwei weitere bekannte Naturstudien Dürers, ebenfalls aus dem Besitz der Albertina, sind dem Hasen zur Seite gestellt – der berühmte Flügel der Blauracke, das auch eines der Ausstellungsplakate ziert, sowie das große Rasenstück.

Blaurackenflügel – Naturstudie von Albrecht Dürer

Dürer arbeitete für seine großen Arbeiten häufig mit Hell-Dunkel-Studien. So entstand auch eines der bekanntesten Werke Dürers, die einem im Alltag immer wieder begegnen – die berühmten „Betenden Hände“. 1507 bekam Dürer den Auftrag von Jakob Heller, den Altar für das Dominikanerkloster in Frankfurt zu malen. Der Originalaltar ging schon 1729 bei einem Brand verloren. Übrig geblieben sind zahlreiche Detailstudien von Händen, Füßen und anderen Draperien.

Oft kopiert – nie erreicht: Die Betenden Hände

Auch der oft als „Höhepunkt Dürers Schaffen“ bezeichnete Meisterstiche-Zyklus ist Teil der Ausstellung. Sie entstanden 1513/14 und zeigen ganz unterschiedliche Motive. Das frühste Blatt zeigt einen geharnischten Reiter der maximilianischen Reitertruppe. Mit dem Heiligen Hieronymus im Gehäus zeigt sich ein thematisch völlig gegensätzliches Bild. Die Melencolia I wird als weiteres Highlight Dürers Schaffen gesehen.

Dürers Meisterwerk – Der Zyklus der Meisterstiche

Die Albertina feiert mit seiner großen Herbstausstellung das Lebenswerk eines der größten Renaissance-Künstler Europas. Es lohnt sich, genau hinzusehen und die vielen Details zu entdecken, die Dürer in seine Stiche und Zeichnungen eingearbeitet hat – Details mit denen er Humor beweist – etwa indem er sich als Akt präsentiert, sein Bestes Stück von einem Wasserhahn verdeckt. Dürer arbeitete für seine Zeit unkonventionell – und das ist vermutlich einer der Gründe, die ihn über 500 Jahre zu einem echten Superstar gemacht hat.

Da Dürer den Hasen und viele andere Werke übrigens auf brüchigem Papier gezeichnet hat, ist die mittlerweile 500 Jahre alten Zeichnungen nur sehr selten für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Hase ist zwar beispielsweise immer in den Prunkräumen der Albertina zu sehen – doch nicht im Original. Die Originale werden unter konservatorischen Idealbedingungen unter Verschluss aufbewahrt.

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