10 Tage Ohrid und Südalbanien – ein etwas anderer Roadtrip

Albanien ist als Reiseziel zwar noch ziemlich außergewöhnlich, aber gerade unter denen, die die Bettenburgen auf Mallorca gerne meiden und nicht unbedingt zum 25. mal den Jahresurlaub auf dem gleichen Campingplatz in Südfrankreich verbringen, ist Albanien immer mehr im Kommen.

Und so haben auch wir uns aufgemacht – auf eine kleine Runde durch Südalbanien. In meinem Blogbeitrag möchte ich euch meine Highlights vorstellen und ein bisschen Lust auf mehr machen.

Albanien – unsere Route

Anreise – Mietwagen

Weil es sich so anbot, starteten wir unseren Roadtrip nicht in Albanien selbst, sondern in Nordmazedonien – am kleinen Flughafen von Ohrid. Überraschenderweise wird dieser Flughafen zwar nicht besonders viel frequentiert, ist aber Ziel der ungarischen Billigairline Wizz, die damit auch die einzige direkte Verbindung zwischen Wien und Ohrid anbietet.

Direkt am Flughafen sind auch die großen Mietwagen-Firmen vertreten. Wir entschieden uns für Sixt, da wir in Wien häufig bei der Firma mieten. Es lohnt sich, die Autos genau zu checken – wir entdeckten einen Steinschlag auf der Scheibe erst auf der Fahrt nach Ohrid. Sixt ist was sowas angeht aber relativ kulant. Es ist in Nordmazedonien übrigens auch durchaus normal, dass der Mietwagen schon ein paar mehr Kilometer drauf hat als man es vielleicht aus Deutschland oder Österreich gewöhnt ist. Es lohnt sich daher ggf. eine Vollkasko-Versicherung OHNE Selbstbeteiligung.

Mehr übers Autofahren in Albanien findet ihr in meinem Blogbeitrag hier.

Reisebudget

Das Reisebudget muss nicht allzu groß ausfallen. Bei unserem Trip war die größte Position sicherlich der Mietwagen, der mit mehr als 300€ zu Buche schlug. In den Guesthouses, die es in den meisten touristischeren Städten gab, gibt es ein Doppelzimmer inklusive Frühstück und ganz viel Gastfreundschaft schon um 25€, etwas teurer war das Hotel in der Touristenstadt Sarande, das uns 50€ kostete (wobei wir da bei etwas motivierterem Suchen auch etwas günstigeres gefunden hätten).

Der Anflug von Wien aus war eher günstig. Die einzige direkte Verbindung zwischen Wien und Ohrid war die ungarische Billigairline Wizzair, die die Strecke in der Sommersaison 3x die Woche bedient. Der Preis variiert entsprechend der Buchungszeit und des Gepäcks. Wir haben 1x mit 1 großem und 1 kleinem Koffer 110€, ohne jedlichen Koffer 39€ gezahlt (für Hin- und Rückflug ab Wien).

Essengegangen sind wir meist abends, im Verhältnis zu den Zimmerpreisen war das teuer, im Vergleich zu Wien kostete ein Abendessen für 2 Personen inklusive Getränken allerdings etwa die Hälfte.

Die Eintrittspreise schlugen nur ganz gering zu Buche, kaum ein Museum kostete mehr als 3€.

Insgesamt kostete uns der 10tägige Urlaub inklusive Mietwagen und Anreise mit Wizzair rund 1200€.

Ohridsee

Wenn wir schon mal dort sind, sind wir nicht unmittelbar nach Albanien, sondern haben uns noch 2 1/2 Tage am Ohridsee auf der Nordmazedonischen umgeschaut. Das lohnt sich, denn gerade die Stadt Ohrid ist sehr malerisch, genauso wie das Kloster Sveti Naum. Der See ist als Naturreservoir und ältester See Europas etwas besonderes. Es herrscht nur wenig Wind und Kormorane lieben es hier. Es gibt sogar endogene Arten wie die Ohridforelle. Am See kann man wandern, im See kann man schwimmen – Der See ist eine Reise wert.

Mehr über Ohrid findet ihr in meinem Blogbeitrag hier.

Ein Hafen am Ohridsee

Auf dem Weg nach Albanien – Die Einreiseformalitäten

Für die Einreise nach Albanien benötigt man bei einem Aufenthalt unter 90 Tagen weder ein Visum noch einen Pass. An der Grenze reicht ein Personalausweis. Für das Auto benötigt man die normalen Papiere, wenn man einen Mietwagen hat, braucht man zusätzlich die Erlaubnis des Vermieters – bei Sixt hat die rund 30€ gekostet. Dafür bekamen wir das Schreiben aber gleich in Nordmazedonisch, in Englisch und in Albanisch ausgestellt, damit jeder Grenzbeamte es versteht.

Die Wartezeiten waren ziemlich entspannt – die Einreise bei Sveti Naum im Süden des Sees hat etwa 15 min gedauert. Nördlich des Sees bei der Einreise nach Nordmazedonien war etwas mehr los. Da haben wir für die Formalitäten etwa 30 min gebraucht.

Korca – Stadt des Biers

Korca begegnet einem in Albanien ähnlich häufig wie Ottakringer im Osten Österreichs. In Korca ist eine der beiden größten Brauereien Albaniens. Wir hatten leider ein bisschen Wetterpech, weshalb die unzähligen Biergärten in Korca geschlossen hatten. Korca ist stark multikulturell geprägt, mit einem islamischen und einem christlich geprägten Viertel, einem stark nach sozialistischer Architektur aussehendem Aussichtsturm und bunten Läden.

Empfehlenswert ist übrigens, gerade mit Auto, das Hotel Kristall. Das ehemalige Sanatorium liegt weit oberhalb der Stadt und von dort hat man einen gigantischen Blick.

Mehr über meine Erlebnisse in Korca findet ihr in meinem Blogbeitrag hier.

Blick vom Hotel Kristall über Korca

Fahren in Albanien – 100 km = 2h

Autofahren in Albanien ist amüsant und eigentlich genau so, wie man es sich vorstellt. Die Straßen sind kurvig und in für Westeuropäer manchmal in erschreckendem Zustand. Dazu kommt, dass einem gelegentlich mal eine Ziegenherde entgegenkommt. Das heißt obacht – und wenn Google Maps sagt, dass man für 200 km 4h braucht, sollte man dem auch trauen.

An der Küste hat man allerdings kaum Probleme. Gerade in den touristisch frequentierten Regionen sind die Straßen in den letzten Jahren saniert worden.

Gjirokaster – UNESCO Welterbe und ein alter US-Spionageflieger

In Gjirokaster sollte man sich vorher absolut bewusst sein, dass die Gassen der Altstadt sehr eng sind. Man sollte vorher mal auf der Karte schauen, ob der Weg, den Google Maps zum Hotel vorschlägt, auch passierbar ist – wir standen plötzlich vor einem Treppenaufgang und mussten zurücksetzen.

Ansonsten ist Gjirokaster ein echtes Highlight, mit seinem frisch renoviertem alten Basar und der großen Burg des Ali Pasha, die alles überragt. Ganz speziell ist der alte US-Spionageflieger, der seit langer Zeit im Hof der Burg steht. Seine Geschichte erzähle ich euch im Blogbeitrag über Gjirokaster hier.

Die Burg von Gjirokaster

Syri i Kalter – Was genau machen wir hier?

Auf dem Weg von Gjirokaster nach Butrint war auf der Karte die Karstquelle Syri i Kalter als sehenswert eingezeichnet. Den kleinen Abstecher wollten wir schon machen, doch das ganze war ein kleines Abenteuer, das dann doch irgendwie merkwürdig wurde. Man biegt von der Straße ab und an einem kleinen See wurde dann eine Straßenmaut eingeholt und dann ging es etwa 2 km über eine Schlagloch-Piste zu einem völlig zugeparkten Platz.

Von dort waren es dann noch etwa 100 m zu Fuß in Richtung Quelle. Dort standen gefühlt 200 Leute über dem sogenannten „Blauen Auge“, starrten hinein und machten Selfies. Aus der Karstquelle strömen 6 Kubikmeter Wasser pro Sekunde mit einer Temperatur von 12,75°C. Direkt daneben ist natürlich auch der obligatorische Souvenirstand. Etwas oberhalb der im Sonnenlicht tiefblau wirkenden Quelle liegt eine kleine Terrasse, die einen Blick von oben auf die Quelle bietet. Hier herrscht Gedrängel, ich drehe schon auf den Stufen um, mich wundert, dass noch niemand in das kalte Wasser gefallen ist.

Ich fand diese Szene eigentlich eher kurios, denn wirklich viel gesehen hat man nicht. Das Gebiet um die Quelle herum steht unter Naturschutz und ist relativ hübsch zu erwandern. Der kurze Ausflug zur Quelle lohnt meiner Meinung nach aber nicht wirklich, zumal die Gefahr, sich eine Schramme ins Auto zu fahren sowohl auf dem Parkplatz als auch auf der Schlaglochpiste relativ hoch ist.

Butrint

Auch die Anfahrt nach Butrint hat spannend geendet – kurz vor dem Parkplatz standen wir plötzlich auf einer wackeligen Rollfähre. Ein bisschen Abenteuer gehört eben dazu und diesmal lohnt es sich.

Auch Butrint gehört zum UNESCO Welterbe. Die Ruinenstadt wurde schon unter den Griechen, später unter den Osmanen und Venezianern besiedelt. Die Anlage auf dem Felsen im Butrintsee ist wirklich riesig und für mich absolut sehenswert.

Mehr über die Anlage von Butrint findet ihr hier.

Blick auf den See von Butrint und die Straße von Korfu

Saranda – Partymetropole

Saranda war einfach nicht mein Fall. Im ehemaligen, kleinen Fischerörtchen legen heute zahlreiche Fähren an, weshalb die Hotels mit Meerblick nur so aus dem Boden schießen. Reiche Albaner haben auch ein Ferienhaus oder eine Yacht in Sarande, an der Hafenpromenade ist hektisches Treiben, am Abend gibt es hier Streetfood und aus den Diskos dröhnen die Bässe.

Mehr über Sarande findet ihr hier.

Meerblick in Saranda

Über den Llogara-Pass nach Vlora

Zu einem guten Roadtrip gehört etwas, was man in Mitteleuropa immer seltener findet – eine einsame Passstraße. Während Großglockner, Timmelsjoch oder Vrsic-Pass von Motorradfahrern besiedelt ist, findet man in Albanien den malerischen Llogara-Pass. Man folgt der Passstraße auf 1400 m Höhe und kann von dort aus das Meer sehen. Perfekter kann es wohl kaum sein – und sogar die Straßenverhältnisse sind – für Albanische Verhältnisse – perfekt.

Von hier erreicht man die Küstenstädte Orikum und Vlore, die beide nicht extrem spektakulär sind, sich aber für einen Zwischenstop bestens eignen.

Mehr über den Llogara-Pass findet ihr im Blogbeitrag.

Einsames Pferd am Llogara Pass

Auf dem Weg von Vlore nach Berat sollte man unbedingt die Ausgrabungsstätte von Apollonia mitnehmen. Sie ist bei weitem weniger überlaufen als Butrint aber auch nicht weniger spannend.

Berat – In der Stadt der 1000 Fenster

Berat liegt im Zentrum von Südalbanien. Das kleine Städtchen mit rund 50000 Einwohnern ist eines der bekanntesten Reiseziele des Landes, da es mit seiner alt-osmanischen Altstadt gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe. In den beiden Vierteln rechts und links des Ossun gibt es ein geschlossenes Architekturemsemble mit großen Fenstern in Richtung Tal. Angeblich sollen es 1000 sein – Zählen ist aber quasi unmöglich.

Abgelegen am Rande der Altstadt und nur zu Fuss erreichbar findet man die kleine Kreuzfahrerkapelle. Außerdem ist auch die Burg hoch oberhalb von Berat eine wahre Legende mit grandiosem Ausblick ins Umland – bei klarem Wetter soll man sogar das Meer sehen können.

Mehr über Berat findet ihr in meinem Blogbeitrag.

In der Stadt der 1000 Fenster

Von Berat aus kommt man in ca. 3h zurück nach Ohrid, weshalb wir den Ort als letzte Station unseres Roadtrips wählten.

Mein Fazit

Albanien ist gerade bei Individual-Reisenden ein echtes Trendziel. Klar hört es sich erstmal außergewöhnlich und abenteuerlich an, das ist es aber am Ende gar nicht – einzig vor etwas schlechteren Straßenverhältnissen sollte man sich nicht scheuen. Belohnt wird man für seinen Mut mit sagenhaften Landschaften und einer Gastfreundschaft, die ihresgleichen sucht.

Ja, Albanien ist ein islamisches Land. Allerdings merkt man das – im Vergleich etwa zu Jordanien, Ägypten und der Türkei (islamische Länder, die ich bisher besucht habe) nur daran, dass es in jeder Stadt mehr Minarette als Kirchtürme gibt. In der Bevölkerung gibt es traditionell auch einen großen Anteil orthodoxer Christen. Die Albaner sind besonders stolz auf die Toleranz zwischen den Religionen, und das spürt man überall. Man feiert ein fröhliches Miteinander statt ein Gegeneinander – religiöse Menschen in der ganzen Welt sollten sich daran ein Beispiel nehmen.

Bedenken mit der Sicherheit gibt es im Zusammenhang mit dem Balkan natürlich immer. Die kann ich allerdings vollständig ausräumen. Vermutlich ist Albanien deutlich sicherer wie Frankreich. Man sollte nur die üblichen Sicherheitsvorkehrungen beachten – keine sichtbaren Wertgegenstände im Auto oder im Hotelzimmer usw.

Wenn ihr noch irgendwelche Fragen über eine Reise durch Südalbanien habt: packt sie einfach in die Kommentare (dafür ist das Feld ja gemacht).

2 Kommentare

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