Ravenna – Nette Stadt, große Geschichte

Wenn man an Italien denkt, hat man große Geschichte im Sinne – das antike Rom, das Florenz oder Venedig der Renaissance. Ravenna spielt da im Geschichtsunterricht eigentlich nur eine Nebenrolle. Wenn man dort aber durch die Altstadt bummelt, wandelt man auf großen, byzantinischen Spuren.

Ravenna – auf dem Weg von Rom nach Byzanz

Nachdem das römische Reich 395 n. Chr. in ein West- und ein Oströmisches Reich zerfiel, wurde Ravenna von 402 bis 476 n. Chr. zur Hauptstadt des weströmischen Reichs und Sitz des kaiserlichen Hofs. So residierten hier Kaiser wie Theoderich, dessen Grabmal am Rande von Ravenna zu finden ist. Nach dem Ende des weströmischen Reichs machten die Ostgoten Ravenna zur Hauptstadt ihres Königreichs.

Später lebte hier einer der größten Dichter der italienischen Geschichte in Ravenna. Nachdem Dante aus Florenz vertrieben wurde, lebte und starb er in der Stadt.

Ravennas UNESCO Welterbe

Ravenna ist vor allem bekannt für seine mehr als 1500 Jahre alten Mosaike, die sich in den unterschiedlichsten Kirchen und Gebäuden der Stadt verstecken. Außen eigentlich eher unscheinbar, wird man innen vom Farb- und Detailreichtum beinahe erschlagen.

Basilika San Vitale

Die Basilika San Vitale stammt aus dem 6. Jahrhundert. Der Grundriss der Kirche unterscheidet sich im Wesentlichen von späteren Kirchenräumen aufgrund seines oktogonalen Grundrisses mit einem zentralen Kuppelbau.

Außen eher unscheinbar – die Basilika San Vitale
1500 Jahre alte, beeindruckende Farbvielfalt
Frühbyzantinische Architektur
Großartiger Kuppelbau

Mausoleum der Galla Placida

Unweit von San Vitale, auf dem gleichen Gelände, liegt das kleine Mausoleum, das für Galla Placida, die Tochter von Theodosius I. errichtet wurde. Da sie allerdings in Rom starb, wurde sie wohl nie dort bestattet. Geweiht wurde die kleine, kreuzförmige Kapelle als Oratorium des hl. Laurentius.

Fenster aus Alabaster tauchen die Kapelle in ein ganz besonders mystisches, gelbes Licht. Die gesamte Kapelle ist mit farbenprächtigen Mosaiken bedeckt. Kaum kann man glauben, dass sie schon vor 1500 Jahren entstanden sind – die Farben haben an Strahlkraft kaum verloren. Typisch für eine Grabkammer haben die figuralen Darstellungen alle ein Hauptthema: Erlösung im christlichen Sinne.

Mausoleum der Galla Placida
Mausoleum der Galla PlacidaS

Sant’Apollinare Nuovo

Die Basilika Sant’Apollinare diente dem berühmten Theoderich als Hofkirche. Die dreischiffige Kirche entstand Ende des 5., Anfang des 6. Jahrhunderts.

Im Ersten Weltkrieg wurde die Kirche von einer österreich-ungarischen Fliegerbombe teilweise zerstört – erstmalig wurde von einem Papst daraufhin eine Protestnote verfasst, die sich gegen Angriffe auf unverteidigte Städte anprangerte.

Sant’Apollinare Nuovo  – Zug der Märtyrer

Sant’Apollinare Nuovo 
Sant’Apollinare Nuovo 

Neonische Taufkapelle

Das oktogonale, orthodoxe Baptisterium geht wohl auf das 4. oder 5. Jahrhundert und damit auf die Ursprünge der Kathedrale von Ravenna zurück. Äußerlich ist es ein einfacher und unscheinbarer Ziegelbau, der Eindruck beim Betreten ist dann aber schier überwältigend.

Im Zentrum, direkt oberhalb des großen Taufbeckens, in dem die Täuflinge nach orthodoxer Tradition vollständig untertauchten, liegt die Darstellung der Taufe Jesu, darum herum sind überraschend Detailreich die 12 Apostel dargestellt. Um das Taufbecken herum finden sich 8 Nischen mit 4 seitlichen Altären. Das Taufbecken selbst stand aus dem Jahr 1500.

Arisches Baptisterium
Mosaik mit der Taufe Jesu im Jordan

Erzbischöfliche Kapelle im Erzbischöflichen Museum

Die Kapelle im Erzbischöflichen Palast gehört neben dem bischöflichen Thron aus Elfenbein zu den Highlights des dortigen Museums. Sie war das private Oratorium der Bischöfe von Ravenna und wird gewöhnlich Petrus Chrysologus zugeschrieben, der das Amt Ende des 5. Jahrhunderts innehatte. Sie ist dem Apostel Andreas geweiht.

 „Die Bedeutung dieses Bauwerks liegt in der Tatsache, dass es als einziges privates frühchristliches Oratorium bis zum heutigen Tag erhalten geblieben ist. Seine Ikonografie ist wichtig wegen ihrer stark anti-arianischen Symbolik.“ – so heißt es in der Bewertung des internationalen Komitees für Denkmalpflege bei der Entscheidung, die Kapelle dem UNESCO Welterbe zuzuschreiben.

Erzbischöfliche Kapelle

Infos zum Sammelticket

Die 5 genannten Bauwerke im Centro Storico von Ravenna kann man mit einem Sammelticket besichtigen. Dieses Ticket bekommt man beim Tourismusinfo in der Via Giuliano Argentario.

Der Eintritt kostet für Erwachsene 11,50€ – es wird bei allen 5 Kirchen in der Stadt abgestempelt. Beim Baptisterium und beim Mausoleum muss man mit Wartezeiten rechnen, weil der Innenraum relativ klein ist.

Dante und sein Grabmal

Mit Ende des ostgotischen Reichs verlor Ravenna etwas an Bedeutung. Bekannt ist die Stadt als Sterbestadt Dantes. Er musste aus Florenz fliehen und wurde in Ravenna von Guido Novello da Polent aufgenommen. In der Stadt verbrachte er die letzten Jahre vor seinem Tod und vollendete hier auch sein größtes Werk, die Divina Commedia.

Am 13. September 1321 starb Dante in Ravenna. Sein kleines Grabmal direkt auf dem Gelände des ehemaligen Franziskaner-Klosters hat eine bewegte Geschichte. 1519 wollten die Medici Dantes Leichnahm in seine Heimat Florenz zurückholen. Den Franziskanern allerdings gelang es, dies zu verhindern, indem sie die Leiche aus dem Sarkophag nahmen und im benachbarten Kreuzgang bestatteten.

Ab 1677 wurden die Gebeine in einem Schrein aufbewahrt, 1780 wurde das Grabmal von Kardinallegat Valenti Gonzaga errichtet. Dieser Erinnerungstempel existiert noch heute und befindet sich in einer kleinen Seitengasse.

1944 musste Dante erneut umgebettet werden. Man hatte Angst, dass das Grabmal bei Deutschen Luftangriffen zerstört wird. Daher bestattete man ihn unter einem Erdhügel auf dem benachbarten Friedhof.

Dantes Grabmal

Ravenna – ein Muss?

Besucht man die Emilia Romagna, vielleicht sogar ganz Italien, gehört für mich Ravenna zu einem absoluten Muss. Während die meisten großen Touristengruppen im Norden nur Venedig, Florenz und Pisa anfahren, sind in Ravenna größtenteils Individualtouristen unterwegs, was die Stadt an sich wesentlich angenehmer macht.

Vor allem die Mosaike haben mich wahnsinnig beeindruckt. Die Farben haben sich in 1500 Jahren kaum verändert und die vielen kleinen Details, die es zu entdecken gibt, bringen einen absolut zum staunen.

Dazu kommen die vielen Gassen der Altstadt mit den bunten, niedrigen Häuschen, wie man sie aus der Region kennt.

Klimt reiste nach Ravenna und schrieb in einer seiner bekannten Postkarten an Emilia Flöge: „„In Ravenna viel Armseliges – die Mosaiken von unerhörter Pracht“ – Goethe kam auf seiner Italienreise nach Ravenna und viele andere bekannte Reisende der Geschichte können nicht falsch liegen – Die große Mosaikkultur von Ravenna ist eine gigantische Reise wert.

Wir hatten leider nur 1/2 Tag Zeit und mussten uns daher auf das historische Zentrum beschränken. Auch am Rand der Stadt gibt es weitere Kirchen und Gebäude, etwa das Mausoleum des Theoderich, die mit den wohl beeindruckendsten Mosaiken übersät sind, die ich je gesehen habe.

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