Die Kulturgeschichte des Kopftuchs – „Verhüllt – Enthüllt“ im Wiener Weltmuseum

An kaum einem Stück Stoff erhitzen sich die Gemüter derzeit mehr als das Kopftuch. Gläubige muslimische Frauen nutzen es, um ihr Haar in der Öffentlichkeit zu bedecken. Doch was kaum einem bewusst ist – das Verhüllen ist seit Jahrhunderten auch in der Christlichen Kultur verankert. Auch wenn man heute eigentlich nur noch bei Hochzeiten traditionell ein Schleier getragen wird, war es z.B. im alten Venedig nur reichen Frauen vorbehalten, einen Schleier zu tragen.

Eine große Ausstellung im Wiener Weltmuseum beschäftigt sich noch bis 26. Februar 2019 mit der Kulturgeschichte des Kopftuchs.

Kopftuch in der Kunst

„Verhüllt – Enthüllt“ – Das Kopftuch in der Kulturgeschichte

Die Ausstellung startet mit einem großformatigen Bild der Künstlergruppe G.R.A.M. – zahlreiche Frauen stehen um eine Art Wühltisch – sie tragen alle Kopftuch und suchen den Tisch nach neuen Kopftüchern ab. Wir können nicht direkt sagen, wo die Szene stattfindet, befindet sich aber irgendwie gleich mitten drin.

Im Weiteren werden zahlreiche, kunstvoll gebatikte Textilien gezeigt, deren Fertigung zum Teil mehrere Jahre benötigt. Anhand dieser wird gezeigt, wie sich die Verhüllung über die Jahrhunderte seit Christi Geburt sowohl im Islam als auch im Christentum entwickelt hat. Gezeigt wird etwa ein Vergleich der verhüllten, jungfräulichen und züchtigen Maria mit der sündigen, oft nackt dargestellten Eva. Und so gilt noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein der Schleier als christliches Symbol der Schamhaftigkeit und damit als Idealbild der Frau. Viele Trachtenmoden beeinhalten für die Frau ein bedecktes Haupt und moderne Designerinnen kreiieren gewagte Mode mit Kopftüchern, nicht nur aus Stoff, sondern auch aus Wegwerfplastik.

Parallel kreiieren grade junge Musliminnen in Europa einen ganz modernen Look, der gleichzeitig verhüllt, aber auch farbenfroh und frech wirkt.

Mode von Susanne Bisovsky

Meine Meinung

Ich werde in meinem Blog selten politisch – bisher ist es genau einmal passiert, als es um das umstrittene Thema der Fiaker in Wien ging. Und auch wenn die Ausstellung nicht darauf abzielt sondern insgesamt einen eher neutralen Standpunkt zum Kopftuch einnimmt, könnt ihr euch vorstellen, dass es bei dem Thema wieder passiert.

Gerade in Österreich, das ja derzeit – man kann es nicht leugnen – aus einem weit rechten Standpunkt regiert wird, wird nach dem Burka-Verbot (eigentlich ja Verhüllungsverbot, aber worauf das abzielte war ja klar) nun auch das Kopftuchverbot diskutiert. Übrigens habe ich vorher in 4 Jahren nie (!) eine Frau mit Burka in Wien gesehen. Nur einmal saß eine im Fiaker und war offensichtlich eine arabische Touristin.

Was ich darüber denke, ist eigentlich schnell formuliert: solange ich mich nicht in meinem Alltag durch das Kopftuch beeinträchtigt sehe, solange die Frauen das Kopftuch freiwillig und ohne Zwang tragen (und den Eindruck macht es mir eigentlich allen erwachsenen, muslimischen Frauen, die ich bisher kennenegelernt habe) und solange mir nicht verboten wird, Schuhe zu tragen, solange Religionsfreiheit herrscht in diesem Land, sollte die Diskussion nicht in Parlamenten geführt werden müssen. Vor allem nicht in einem Land, in dem verheiratete Frauen noch immer „Unter die Haube“ kommen. Es mag sein, dass das Tragen eines Kopftuchs nicht unbedingt nötig ist, um gläubige Muslimin zu sein – aber das Aufhängen von Kreuzen im Amtsstuben (Bayern) ist auch nicht nötig, um alle Leute im Raum zu Christen machen und trotzdem wird es gesetzlich vorgeschrieben und ich bin auch Christin, ohne dass ich ein einziges Kreuz in der Wohnung habe.

Die Ausstellung macht auf spannende Art und Weise klar, dass das Verhüllen nicht unbedingt ein muslimisches Monopol hat, sondern dass sie auch tief im Christlichen Glauben verwurzelt ist – und wenn man meiner Oma das Kopftuch verboten hätte, wäre sie sicher auch sauer geworden. Das Tragen von Kopftüchern in der Öffentlichkeit tut keinem weh, solange die Frauen mündig selbst darüber entscheiden können, sollte es ihnen auch nicht verboten werden!

Kunstvolle Textilien

Info

Öffnungszeiten*

Täglich außer Mittwoch
10 bis 18 Uhr

Freitag
bis 21 Uhr

Ticketpreise*

Erwachsene   € 12
Ermäßigt *   € 9 
Kinder und Jugendliche *   frei
Jahreskarte  € 44
Jahreskarte U25  € 25
Gruppenticket p.P. *  € 9

* Informationen zu den Ticketpreisen

Mit dem Weltmuseum Wien Ticket haben Sie auch Zugang zur Hofjagd- und Rüstkammer und zur Sammlung alter Musikinstrumente  des Kunsthistorischen Museums Wien.

*Quelle: http://www.weltmuseumwien.at

Mitten in der Szene von G.R.A.M. – der Kulturvermittler des Weltmuseums erzählt über das großformatige Bild und ist dabei quasi mittendrin
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