Auf Reisen landet manchmal unerwartet in Museen, die einen faszinieren. Ich bin normalerweise so gar kein Autofreak, deshalb kam ich ohne Erwartungen in die City de l’Automobil in Mulhouse im Elsass. Und als ich rauskam, war ich mehr als beeindruckt. Denn schon die Geschichte der Sammlung Schlumpf ist mehr als speziell…
Collection Schlumpf
Die Geschichte hinter der größten Autosammlung der Welt
Die Brüder Hans und Fritz Schlumpf übernahmen 1957 in Mulhouse eine große Wollspinnerei. Schon kurze Zeit später begann die große Leidenschaft von Fritz zu eskalieren. Er war ein leidenschaftlicher Autosammler und ließ 1961 bis 63 eine große Anzahl von Autos einkaufen – nicht nur in Europa, sondern auch in den USA. Das Ganze war derartig geheim, dass er Strohmänner einsetzte und nur noch wenige Menschen Zugang zur Lagerhalle der Textilfirma hatte. Denn in den Hallen wurden längst keine Stoffe mehr gelagert.
1965 flog das Geheimnis mit einem Artikel in der lokalen Presse auf, weshalb Fritz sich entschied, seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auf einer Grundfläche von 17000 Quadratmetern wurde die Halle umgebaut. 1970 wurde in Paris eine Markthalle abgerissen – Schlumpf erwarb alle Säulen mit Hängeleuchten, die der Anlage bis heute ein spezielles Ambiente verleihen.

Und natürlich mussten die angekauften Autos restauriert werden. Neue Autos kamen hinzu, so dass er schließlich beispielsweise mehr als 100 Bugatti in seinem Besitz hatte. Doch die kostspielige Leidenschaft brachte die Firma in Bedrängnis. Schlumpf hatte zu dem Zeitpunkt mehr als 12 Millionen Franc in sein Projekt investiert.
Als die Pleite nicht mehr abzuwenden war, besetzten Gewerkschafter die Hallen und erstmalig konnte 1977 die Öffentlichkeit die Sammlung bewundern. Gläubiger machten Druck, die Sammlung drohte, in ihre Einzelteile zu zerfallen. Doch dann gelang es einem Interessenskollektiv (dem etwa die Stadt, das Departement und die Region angehörten), die Sammlung zu kaufen. Heute gehört sie zum französischen Kulturgut und ist damit unverkäuflich.

Die Sammlung heute
Im Museum sind heute je nach temporärer Ausstellung etwa 430 bis 450 Autos zu sehen. Dazu kommen weitere 100, die in teils schlechtem Zustand eingelagert sind. Dazu gehören heute 87 Bugatti. Dazu gehören auch 2 der 6 verbliebenen Bugatti Royale. Alleine das Modell Coupe Napoleon von 1929 wird auf einen Wert von 50 bis 60 Millionen Euro geschätzt. Es war einst der Privatwagen von Automobilpionier Ettore Bugatti. Aber auch ein moderner Veyron gehört zur Bugatti Sammlung.
Zur Sammlung gehören aber auch echte Pioniere der Automobilgeschichte – insbesondere in Frankreich, etwa von De Dion-Bouton oder von Panhard & Levasseur.

Der Rest der Sammlung umfasst alles denkbare. Von der legendären Ente 2CV von Citroen bis zum Trabant und natürlich auch die unterschiedlichsten Rennwagen – die Brüder Schlumpf und ihre Nachfolger haben Wagen von 90 Herstellern aus der ganzen Welt zusammengetragen.
Es gehört etwa auch ein Mercedes Silberpfeil aus dem Jahr 1939 dazu. Mercedes soll den Brüdern Schlumpf einst astronomische Summen geboten haben, um ihn zurückzukaufen.
Ein Besuch heute
Erwachsene zahlen 19€ für den Eintritt, Kinder 13€, Studenten 15€ – Familien (2 Erwachsene, 2 Kinder) 58€. Es wird eine relativ große Parkfläche geboten.
Mich hat alleine schon die Geschichte der lange geheimgehaltenen Sammlung beeindruckt, die die beiden Brüder im Endeffekt sogar in den Ruin getrieben hat. Und dann kommt man in die riesige alte Lagerhalle, in der schier gigantische Werte links und rechts der Gänge stehen. Man fühlt sich von den zahllosen Autos schier erschlagen. Der Audioguide empfiehlt sich definitiv, er erzählt von den vielen Kuriositäten und Besonderheiten der Sammlung, vor allem aber auch von der Kaufgeschichte.
Ist man im Elsass unterwegs, gehört dieses Museum für mich zum Pflichtprogramm. Und das nicht nur für Autofreaks. Die vielen Details und unterschiedlichsten Modelle der Sammlung zu erkunden, hat mich mehr als begeistert.


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