Es gibt kaum einen Ort, der die komplexe und interessante Geschichte des Elsass im 19. und 20. Jahrhundert so sehr erzählt, wie eine Höhenburg am Ostrand der Vogesen. Nahe Orschwiller liegt die Hohkönigsburg.

Die Geschichte der Kammburg beginnt wie so oft im Mittelalter. Sie wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Staufische Reichsburg gegründet. Diese bildeten ein Netzwerk, um wichtige Handelswege – hier den Oberrheingraben – zu schützen.
In den folgenden Jahrhunderten wechselte die Burg häufiger die Besitzer und landete schließlich 1479 als Lehen bei den Grafen von Thierstein. Die starben jedoch 1517 aus, weshalb sie an die Habsburger zurückging. Nach einer langen Belagerung geriet sie schließlich 1633 im Dreißigjährigen Krieg in Brand und wurde zur Ruine.
Erst in der Romantik wurde sie wiederentdeckt – und geriet schließlich mit dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 ans Deutsche Reich. Weil nun das Deutsche Kaiserreich die „neue Macht“ im Elsass war, wollte Kaiser Wilhelm II. sich dort ein Denkmal setzen. Als er 1899 die Burg von der Stadt Schlettstett geschenkt bekam, beschloss er, sie wieder aufbauen zu lassen.
Doch anders als andere romantische Neubauten beauftragte Wilhelm Burgenforscher Bodo Ebhardt, der den Neuaufbau aufgrund von denkmalpflegerischen und archäologischen Befunden plante. Er hatte vor, eine Art Museum für Burgen aus dem Jahr 1500 eröffnen.
Die Arbeiten waren aufwändig, dauerten gut 7 Jahre an und erforderten Mittel in Höhe von rund 2 Millionen Mark. Man benötigte unter anderem eine 2 km lange Feldbahn zwischen dem Steinbruch und der Ruine, sowie einen Stromgenerator für die beiden elektrischen Kräne auf der Baustelle.
Kurios übrigens: Obwohl der Kaiser die Burg errichten ließ, besuchte er sie nie. Bei der Eröffnung 1908 war „nur“ seine Tochter anwesend.

Ein Besuch heute
Erwachsene zahlen 12€ für den Eintritt – Kinder und Jugendliche (6-17 Jahre) zahlen 8€. Das Familienticket (4 Personen – max. 2 Erwachsene) kostet 30€.
Es empfiehlt sich definitiv, möglichst früh am Morgen zu kommen, denn die Parkmöglichkeiten auf der Hügelkette sind sehr stark eingeschränkt – es kann gerade am Wochenende und in den Ferien zu Staus kommen. Es gibt aber ab dem Bahnhof Sélestat einen Pendelbus (Linie 500).
Ein Besuch der Burg lässt sich aber auch perfekt mit verschiedenen Wanderungen am Ostrand der Vogesen verbinden.
Der Rundgang umfasst rund 300 Stufen – er ist daher nur eingeschränkt Barrierefrei!


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