Autofahren in Korfu – Kleinwagen trifft Bergstraße

Nachdem ich Artikel über meinen Korfutrip  geschrieben habe (es kommen noch ein paar mehr), kam häufiger die Frage auf, wie das denn dort mit dem Autofahren so ist. Die Frage möchte ich nun mit einem kurzen Artikel beantworten – auch wenn ich nur der Beifahrer/Navigator war:

Autofahren auf Korfu

Eins vorweg: wir waren überall in Korfu – nicht nur auf der nördlichen Insel wie viele Touristen, sondern auch ganz im Süden in Lefkimmi. Gefahren ist allerdings mein Mann, da ich mich selbst als cholerisch-panischer Autofahrer bezeichnen würde, schon auf den Straßen in Österreich. Notfalls wäre ich aber auch gefahren. Ich hab mich mehr mit der Navigation beschäftigt – auch keine Leichte Aufgabe, aber dazu später mehr.

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Gute Nerven – Bergstraße bei Paleo Perithia

Mietwagensuche

Vorab: Wir haben selbst gezahlt – das muss man ja bei Bloggern heutzutage immer dazusagen. Wir haben uns völlig unabhängig entschieden!

Es gibt überall auf der Insel kleine Läden, die Autos, Mofas, Quads und Fahrräder vermieten. Wir hatten uns allerdings schon vorher entschieden, wieder über Sunnycars zu mieten. Die sind zwar etwas teurer (im Schnitt etwa 1-2 €/Tag), bieten aber den Vorteil, dass Reifen, Scheiben und Unterboden mitversichert sind. Das kann gerade auf etwas unwegsamen, engen Straßen sehr von Vorteil sein, wie wir es schon in Rumänien erlebt hatten, wo uns innerhalb eines Tages ein Ersatzauto aus dem 600 km entfernten Bukarest gebracht wurde – zahlen mussten wir nichts dank der Versicherung von Sunnycars.

Sunnycars arbeitet mit lokalen Anbietern auf der ganzen Welt zusammen und bietet eben neben der Vermittlung der Autos eine zusätzliche Sicherheit in Form einer Versicherung. Und so wurden wir direkt am Flughafen abgeholt und zu unserem VW Polo gebracht.

Einen Allradtauglichen SUV braucht man auf Korfu nicht. Die meisten sind sogar in Kleinstwagen unterwegs, was auf den engen Straßen auch durchaus von Vorteil sein kann. Die Straßen sind zwar eng und kurvig, aber selten wird es so steil, dass man es nicht mit einem niedrig motorisierten Fahrzeug schaffen kann.

Navigation mit Google Maps und die Suche nach dem perfekten Parkplatz

Seit dem Fall der Roaming Gebühren sollte die Navigation keine Probleme mehr machen. Klar, man konnte schon vorher Offlinekarten in Google Maps runterladen aber jetzt geht die Navigation eben auch online mit Verkehrsinformationen. Ich muss allerdings ehrlich zugeben: so richtig angefreundet hab ich mich mit Google Maps noch nicht. In der Stadt mag das ja problemlos funktionieren, auf Korfu haben wir es auch ein paar mal erlebt, dass uns Maps kompliziert durch Ortschaften gelotst hat oder uns sogar in Feldwege schicken wollte. Einmal wollte uns die Technik 2 km weiter zu einem Kreisverkehr schicken um zu drehen, obwohl wir einfach abbiegen konnten. Lange Rede, kurzer Sinn: Maps ist als Navigationsunterstützung auf Korfu ganz nett, wenn man nicht immer zu 100% drauf hört und vielleicht vorher mal kurz auf die klassische Karte schaut, kommt man immer gut ans Ziel.

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Parken am Gipfel

Ziel ist ein gutes Stichwort: Thema Parken… In der Stadt ist das kein Problem. Am Neuen Hafen und in den meisten Straßen ist Parken kostenlos – am Abend sind die Plätze allerdings schon früh überfüllt. Wenn man keinen Bock auf Suchen hat, gibt es gegenüber vom Fährhafen mehrere zumindest tagsüber bewachte Parkplätze. Die kosten für den ganzen Tag 3€.

Auf dem Land ist das oftmals ein bisschen schwieriger. Gerade beliebte Ziele wie das Achilleion, dem Pantokrator, dem nicht ganz so verlassenen Dorf Paleo Perithia oder Afionas haben oft eher wenige, heiß umkämpfte Parkplätze, da muss man nehmen, was man kriegen kann – wieder: Vorteil Kleinwagen…

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Ab und zu muss man auch mit einem Boot um Parkplätze konkurrieren

Enge Bergstraßen

Korfu hat ein paar Hauptstraßen – etwa von Kerkira nach Paleokastritsa oder nach Lefkimmi. Doch die sind leider ziemlich in der Minderheit, dafür aber gut ausgebaut. Fährt man davon weg, sind die Straßen aber oft eng und kurvig – als Beifahrer fühlt man sich beim Aussteigen oft wie nach einer Achterbahnfahrt.

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Jap, da sind wir grade hochgekommen – Straße zum Gipfel des Pantokrator

Bestes Beispiel dafür ist der Pantokrator, der höchste Berg der Insel und mit seinem Kloster ein beliebtes Ausflugsziel. Fährt man hinter Strinilas Richtung Gipfel, findet man sich auf einer engen und kurvigen Straße wieder und hält ein klein wenig die Luft an, dass einem kein Bus entgegenkommt. Oben auf dem Felskamm ist dann allerdings ausreichend Platz zum Parken und Wenden, nur die Zahl der Plätze ist begrenzt (auch wenn der Marco Polo anderes behauptet). In der Hauptsaison (wir waren im Mai dort), so berichtete uns die Chefin unserer Unterkunft, wird ein Bustransfer eingerichtet, weil sonst die engen Straßen oft verstopft wären.

Ein weiteres Beispiel ist das kleine Örtchen Lakones oberhalb von Paleokastritsa. Der Ort ist besonders aufgrund seiner atemberaubenden Aussichtsrestaurants und der Burgruine von Angelocastro bekannt. Hier hat man ein Ampelsystem entwickelt, um die Verkehrsrichtung innerhalb des engen Stadtkerns zu regeln. An beiden Ortseingängen stehen Ampeln, die alle 7,5 Minuten für 2 Minuten auf grün schalten (natürlich nicht gleichzeitig). Bei Hauptbetrieb sind hier gute Nerven gefragt, da sich Lakones auch unter Kreuzfahrttouristen großer Beliebtheit erfreut. Entsprechend viele Busse sind unterwegs und es kommt nicht nur auf der 4,5 km langen Bergstraße aus Richtung Paleokastritsa zu Rückstauungen, sondern auch im Ort – wenn nämlich mal ein Bus nicht schnell genug ist, kommt der Gegenverkehr und das Chaos ist perfekt, weil jeder sich erstmal eine Möglichkeit suchen muss, den anderen vorbeizulassen.

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The Bent – Straßen rund um Paleo Perithia

Tanken

Das Tankstellennetz auf Korfu ist gut ausgebaut. Tanken ist jedoch deutlich teurer, leider wohl der Finanzkrise geschuldet. Im Mai 2018 zahlte man im Schnitt 1,67€ pro Liter Superbenzin – rund 0,30€ mehr als in Österreich.

Driving like a Greek

„Nun, was soll man sagen – die Griechen haben ein anderes Verhältnis zu ihrem Auto“ – das sagte mir Nikolaus, der Dorfpope und Besitzer unserer Ferienwohnung. Und er muss es wissen, denn er lebte beinahe die Hälfte seines Lebens in Deutschland. Nach 25 Jahren mit seinem zerbeulten Opel denkt er langsam drüber nach, sich mal was Neues anzuschaffen.

Und man muss sagen, die Griechen fahren auch anders. Elegant schlängeln sie sich durch die engen Straßen, vorbei an panisch guckenden Touristen, die die Luft anhalten, ob die Autos überhaupt aneinander vorbeikommen. Den Anblick stelle ich mir ja lustig vor.

Aber eigentlich braucht man zum sicheren Fahren auf Korfu nur gute Nerven und Vertrauen darauf, dass die Griechen wissen, was sie tun, wenn sie sich an einem vorbeiquetschen, denn eigentlich geht immer alles gut.

 

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