UNESCO – Welterbe – Kloster Maulbronn

Der Titel UNESCO World Heritage lockt mich ja immer wieder. So führte uns unsere Route durch Süddeutschland Anfang Mai ins ehemalige Zisterzienserkloster von Maulbronn unweit von Pforzheim – ein Ort, den ich vorher so gar nicht auf dem Schirm hatte. Umso mehr wurde ich von der mittelalterlichen Klosteranlage überrascht, die heute ein evangelisches Seminar beherbergt.

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Brunnenhaus und Kirchturm

Kloster Maulbronn

Klostergeschichte

Der Orden der Zisterzienser gründete sich als Reformorden der Benediktiner. Man wollte sich wieder auf die Grundregeln des heiligen Benedikt „Ora et Labora“ besinnen. Gegründet wurde der Orden 1098 von Robert von Molesme und 20 weiteren Brüdern aus seinem Kloster. Mutterkloster wurde das Kloster Cîteaux im Burgund.

Um 1112 trat der heilige Bernhard von Clairvaux mit seinen Gefährten in den Orden ein, der daraufhin seine Blütezeit erlebte. Das sorgte für ein derart schnelles Wachstum, dass bald Klöster außerhalb der französischen Grenzen gegründet wurden. Walter von Lomersheim stiftete daraufhin sein Erbgut Eckenweiher dem Orden, um hier in Süddeutschland ein Kloster zu gründen.

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Fachwerkliebe

Mit der Neugründung betraute der Orden Abt Dieter, der von der Primarabtei Morimond nach Maulbronn kam – er erreichte das Land 1138. Doch für die Zisterzienser war die völlige Unabhängigkeit vom Weltlichen bei der Wahl der Standorte als wichtig. 1147 erklärte der Bischof von Speyer das Gelände für ungeeignet und schenkte dem Kloster das Gelände zu Mulenbrunnen, das Kloster wurde dorthin verlegt und entwickelte sich schnell zum wirtschaftlichen und politischen Zentrum der Region. Der Legende nach soll ein Maultier bei der Suche nach der perfekten Lage im Spiel gewesen sein. Die Klosterbrüder sollen es mit dem Klosterschatz beladen haben. Das Tier lief frei – an der Stelle, wo es stehenblieb und den Schatz

So blieb es bis 1525, als das Kloster während der Bauernkriege geplündert wurde. Danach entwickelte sich die Geschichte rasant. Während der Reformation wurde das Herzogtum Württemberg protestantisch – die Mönche waren nicht mehr geduldet. Maulbronn wurde aufgrund seiner Größe zunächst als Auffangbecken für renitente Mönche anderer Klöster genutzt. Abt und Mönche übersiedelten daraufhin in den Elsass.

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Ausflug ins Kloster

Die Gebäude wurden allerdings weiterhin genutzt. Das Kloster wurde in eine protestantische Klosterschule umgewandelt, was bis zum heutigen Tage so geblieben ist. Heute ist es ein staatliches Gymnasium mit Internat. Bekannte Absolventen der Schule von Maulbronn sind Johannes Keppler, Hermann Hesse und Friedrich Hölderlin. Im 16. Jahrhundert soll auch der berühmte Johann Georg Faust sich in Maulbronn als Alchimist versucht haben – kein geringerer als die Vorlage für Goethes wohl berühmtestes Drama.

Maultaschen aus Maulbronn

Maultaschen sind DAS Gericht – in Süddeutschland muss man sie getestet haben. Die genaue Geschichte ihrer Entstehung ist nicht mehr bekannt. Der Legende nach sollen aber gewitzte Mönche aus Maulbronn ihre Finger im Spiel gehabt haben. Gemeinerweise bekamen sie ausgerechnet in der Fastenzeit ein schönes, saftiges Stück Fleisch geschenkt. Ganz der sparsame Schwabe wollten sie es natürlich nicht verkommen lassen. Sie hackten es ganz klein, vermengten es mit Kräutern, so dass die Masse aussah wie der Gemüsebrei, den sie oft zur Fastenzeit aßen. Um es noch besser vor den Augen des Herrgotts zu verbergen, hüllten sie den Brei zusätzlich in Nudelteig – das kostbare Fleisch war gerettet, die Brüder waren satt und vor den Augen Gottes haben sie auch brav gefastet. Ganz schön clever und erfindungsreich, diese Schwaben.

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Kloster Maulbronn heute

Die Klosteranlage bildet das Stadtzentrum der kleinen Gemeinde Maulbronn und ist Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt. Sie gilt als die größte und besterhaltene mittelalterliche Klosteranlage nördlich der Alpen – wohl auch, weil die Anlage seit dem 12. Jahrhundert ständig benutzt wurde –  und hat entsprechend seit 1993 den Status des UNESCO Weltkulturerbes.

Die Gebäude werden sowohl von der Schule (größtenteils Klausur + Kreuzgang) als auch von der Stadt (Rathaus, Polizei genutzt. Zudem sind mehrere Restaurants, ein Buchladen, eine Apotheke und ein Museum darin untergebracht. Der Klosterhof wirkt ein bisschen mehr wie eine italienische Piazza oder ein klassischer Marktplatz.

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Im Kreuzgang

Schon beim Gang durch das Klostertor fühlt man sich ein bisschen wie auf einer Zeitreise. Erst springen einem die zahlreichen Fachwerkgebäude ins Auge. Die Zisterzienser wirtschafteten weitestgehend unabhängig, hatten eigene Felder und Weinberge, in denen die Laienbrüder arbeiteten. Auch eine eigene Mühle und ein Kornspeicher sind bis zum heutigen Tag erhalten geblieben.

Die Tickets löst man dann am Ticketschalter und gleich gehts ins Paradies – ja, so nennt man den Vorraum zur Klosterkirche tatsächlich… Der frühgotisch allgemeine Brauch, diesen Raum mit dem Sündenfall zu bemalen, hat dem Paradies seinen Namen eingebracht – von der Ausmalung kann man heute aber leider nicht mehr viel erkennen. Der Raum entstand am Übergang von Romanik zur Gotik und ist somit schon im ersten Jahrhundert nach der Klostergründung entstanden.

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Weinberge rund ums Kloster

Von hier geht es weiter in die frühgotische Kirche, die noch Elemente der Romanik zeigt – genau genommen sind es sogar zwei Kirchen in einer – denn die Laienbrüder, die das Land bestellten und sonstige weltliche Arbeiten des Ordens übernahmen, beteten getrennt von den geistlichen Brüdern – die Abtrennung ist allerdings nur halb hoch, so dass man sich wohl zumindest hören konnte. Dabei handelt es sich um einen romanischen Lettner. Die dreischiffige Kirche erscheint zudem besonders lang, da eben diese beiden Kirchen unter einem Dach vereinigt wurden.

Der danebenliegende zweistöckige Kreuzgang hat den Aufbau, wie er typisch ist für viele Zisterzienserklöster. Im Mittelpunkt steht das Brunnenhaus mit Brunnen, aus dem bis heute das Wasser einer Quelle ströhmt. Hier ist auch noch deutlich ein altes Fresko, das die Gründungslegende erzählt, die Geschichte mit dem Maulesel. Der Kreuzgang bildete das Zentrum des ehemaligen Klosters, mit Zugängen zum Refrektorium, zum Parlatorium, zum Dormitorium und natürlich auch zur Kirche.

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Kreuzrippengewölbe mit Fresken

Eigentlich ist das gigantische Ausmaß der Ländereien des Klosters heute kaum noch fassbar. Es war mit Sicherheit der größte Landbesitzer der Region – was sich natürlich mit der Vertreibung der Mönche im 16. Jahrhundert schlagartig geändert hat. Eigentlich hätte man erwartet, dass das Kloster demoliert wird oder langsam verfällt. Doch man kann von Glück sagen, dass man hier eine Schule eingerichtet und damit den gesamten Komplex so erhalten hat, als könnten die Mönche jederzeit wieder einziehen. Gut, hier und da wäre vielleicht eine Erneuerung der Fresken nötig, aber ich denke, damit könnte man leben.

Für mich wird hier in Maulbronn das Mittelalter lebendig – ich habe schon viele, auch aktive, Klöster gesehen – aber dieses hier wird mir aufgrund der schieren Größe des Komplexes und der architektonischen Geschlossenheit in Erinnerung bleiben. Ein Ausflug, der sich absolut lohnt.

Info – Eintrittspreise – Öffnungszeiten

Der Eintritt zum Kloster an sich kostet für Erwachsene 7,50€ – mit Führung oder Audioguide werden zusätzliche 2,50€ fällig. Die Führung lohnt sich meiner Meinung nach wesentlich mehr als in anderen Klöstern, da eben auch auf spezielle Legenden wie die von den Maultaschen näher eingegangen wird. Zudem wird mit viel Humor erzählt – ich kann das nur empfehlen. Sie finden täglich um 11.15 und um 15.00 Uhr statt – im Winter sind Montags geschlossen.

Geöffnet ist täglich von 9 bis 17 Uhr (im Winter ist Montags geschlossen). Letzter Einlass ist um 16.45 Uhr.

Mehr Infos findet ihr hier (Link zum offiziellen Webauftritt des Klosters Maulbronn)

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9 Kommentare

  1. Oh ja, da war ich auch schon einmal vor einigen Jahren. Eine beeindruckende Klosteranlage ist es.

    Hermann Hesse war hier übrigens als Schüler nicht glücklich, er verarbeitet seine Maulbronner Erfahrungen in „Unterm Rad“, auch als „Waldzell“ in Das Glasperlenspiel hat Maulbronn wohl Pate gestanden.

    Ein schöner Bericht, macht unbedingt Lust auf einen erneuten Besuch dort!

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  2. Was für ein schöner Bericht!
    Ich liiiebe ja Fachwerkhäuser.
    Habe beim Lesen voll Lust bekommen, dem Kloster auch mal einen Besuch abzustatten. 🙂
    Liebe Grüße
    Julie

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  3. Wow, diese Architektur ist ja wunderschön! Das sieht einfach sehr magisch aus irgenwie, richtig toll. 🙂 Schade, dass heute oft nur noch so abstrakte Neubauten errichtet werden. 😦
    Danke für den toll aufbereiteten Bericht – mal wieder! :))

    Ich wünsche Dir ein tolles Wochenende. ♥

    XX,
    http://www.ChristinaKey.com

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  4. Das Koster und deine Bilder sehen echt richtig beeindruckend und schön aus! Und die Geschichte hinter solch alten Gebäuden ist auch echt immer spannend zum Lesen!
    Viele Grüße
    Sandra

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