Als Tourist würde man kaum die Idee bekommen, in einen Gerichtshof zu schauen – in Wien aber kann es sich das durchaus lohnen, sich in der Schlange bei der Sicherheitskontrolle einzureihen. Der prunkvolle Bau gehört zur legendären Wiener Ringstraße und wurde 1875 bis 1881 im für die Ringstraße prägenden Stil der Neorenaissance errichtet.
Wiener Justizpalast
Geschichte
Der Justizpalast wurde im Zuge des Ringstraßenbaus in den Jahren 1875 bis 1881 errichtet. Architekt ist der Wiener Alexander Wielemans von Monteforte, der besonders im späten Historismus beheimatet war.
Am 15. Juli 1927 rückte der Justizpalast in den Fokus der sogenannten Julirevolte. Die Menge stürmte das Gericht nach dem sogenannten Schattendorfer Urteil. Das Geschworenengericht sprach drei Mitglieder der Frontkämpfervereinigung Deutsch-Österreich frei, die bei einem Zusammenstoß mit Sozialdemokraten im Burgenländischen Schattendorf zwei Menschen erschossen, darunter ein 6jähriges Kind. Die Menge stürmte das Gericht und setzte die oberen Etagen in Brand, der öffentliche Verkehr wurde lahmgelegt und auch die Universität wurde besetzt. Darauf kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, 84 Menschen wurden erschossen.
1929-31 wurde das Gebäude wieder aufgebaut und nach den Plänen von Heinrich Ried aufgestockt und der Eingang monumental hervorgehoben.
Der Palast ist heute Sitz von:
- Oberster Gerichtshof (OGH)
- Generalprokuratur (GP)
- Oberlandesgericht Wien (OLG Wien)
- Oberstaatsanwaltschaft Wien (OStA Wien)
- Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien (LG f. ZRS Wien)
Die Aula
Atemberaubend ist der gigantische Eingang in das Gebäude. Die monumentale Haupttreppe ist ein dreistöckiger, mit Glas gedeckter Arkadenhof mit einer Höhe von 23 m. Im Zentrum steht die große Freitreppe, über der die Justitia tront. In ihrer Nische sitzt sie mit ihrem goldenen Schwert und dem Gesetzbuch unterhalb des kaiserlichen Wappens, das von den Wappen der ehemaligen Kronländer oberhalb der Säulen im gesamten Raum umgeben sind.

Auf der anderen Seite sieht man die große Uhr mit einem Chronoskopf und Sirenen.
Auf dem Weg nach oben lohnt es sich durchaus, auch mal in die Gänge rund um die Aula zu schauen – es wimmelt von gigantischen Wendeltreppen, langen Gängen und grandiosen Ausblicken.

Dachterrasse und Café
Nachdem der Palast aufgestockt wurde, entstand auf dem Dach des Justizpalasts eine Dachterrasse, auf der heute das Justizcafé liegt. Das ist die öffentlich zugängliche Kantine des Justizpalasts und für mich das schönste Café Wiens. Gerade bei klarem Wetter im Sommer kann man auf der Terrasse sitzen und den Rundumblick über alle wichtigen Landmarken der Stadt genießen und dabei eine Melange oder ein Mittagessen zu Kantinenpreisen genießen (also weit unterhalb der normalen Preise im 1. Bezirk). Und überraschenderweise herrscht wenig Betrieb (ich habe bisher immer einen Tisch bekommen.
Einen Besuch im Justizcafé sollte man nicht verpassen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Vom manchmal etwas schlecht gelaunten Sicherheitsmann sollte man sich da nicht abschrecken lassen!


Info
Der Justizpalast liegt unmittelbar neben dem Parlament mit Hauptzugang am Schmerlingplatz.
Der Palast ist in der Regel Mo – Fr von 7.30 bis 15.30 Uhr für den Publikumsverkehr geöffnet. Das Café schließt um 16.30 Uhr.
Man durchläuft beim Eingang eine Sicherheitskontrolle ähnlich wie am Flughafen. Info für die Fotografen: Stative dürfen nicht mitgenommen werden und müssen beim Securitybeamten deponiert werden.





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