Danke, Otto Wagner! Auf der Spur des Wiener Jugendstils

Danke, Otto! – Auf den Spuren des größten Architekten des Wiener Jugendstils

Kaum ein Architekt hat das Bild des modernen Wiens der Jahrhundertwende so geprägt wie Otto Wagner. 1841 in Penzing geboren ist er einer der produktivsten Baumeister des Fin de Siecle – und seine Werke wie die Wiener Stadtbahn (heute U4 und U6) oder das Otto-Wagner-Spital gehören zum Alltag der Wiener. So wie Gustav Klimt die Kunst des Jugendstils prägte, prägte Otto Wagner die Architektur. Und zahllose seiner charakteristischen Gebäude sind bis heute erhalten geblieben. Vor allem sein großes Stadtbahnprojekt machte Wien zu einer modernen Weltstadt mit einer modernen Infrastruktur, die in ihren Grundzügen bis heute erhalten ist.

Ich habe mich auf Spurensuche zu den bekannten, vielleicht aber auch etwas unbekannteren Gebäuden begeben.

Stadtbahn zahlreiche Stationen und Brücken entlang der heutigen U4 und U6

Den wohl größten Auftrag seines Lebens erhielt Otto Wagner mit dem Bau der Wiener Stadtbahn. Der 1898 fertiggestellte Massenverkehrsmittel umfasste weite Teile der heutigen U4, U6, der Stammstrecke der S-Bahn sowie die Vorortlinie S45 und war damit das größte Infrastrukturprojekt der Kaiserzeit. Und viele der Stationen weisen bis heute die deutlichen Gestaltungsmerkmale Otto Wagners auf – als charakteristisch gelten dabei nicht nur das Muster des Fliesenbodens, sondern auch die grünen (übrigens in vielen Entwürfen weißen) Jugendstilgeländer mit der Blume als wiederkehrendem Element. Das Grün entwickelte sich jedoch zur Charakteristischen Farbe Otto Wagners.

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Hofpavillon U4 Hietzing – Eintritt 5€ (bis 19 Jahre frei, jeder erste Sonntag im Monat frei)

Millionen Besucher kommen jedes Jahr in die Schlossgärten von Schönbrunn. Viele davon erreichen die Anlage mit der U4 und steigen in Hietzing aus. Viele übersehen dabei fast das kleine Stationsgebäude, durch das man als Normalbürger bis heute nicht aussteigen kann. Es erstreckt sich brückenartig oberhalb der Gleise. Dieses Stationsgebäude war der kaiserlichen Familie vorbehalten und in den urspründlichen Planungen der Stadtbahn nicht enthalten. Er wurde 1899 fertiggestellt. Wagner vereinte hier Stilelemente des Barock mit denen des Jugendstils. Das prunkvolle Innere wurde ganz an die Bedürfnisse des Kaisers angepasst, die Stiegen führten einst direkt auf den öffentlichen Bahnsteig der damaligen Stadtbahnhaltestelle. Der Kaiser nutzte seinen prunkvollen Bahnhof allerdings nur zweimal. Doch davon ließ sich Wagner nicht beirren und schuf eine des Kaisers würdige, prunkvolle Haltestelle und verhalf damit seiner Architektur endgültig zum Durchbruch in Wien.

Die Stiegen wurden übrigens nachträglich abgerissen, so dass man heute die Haltestelle nur noch an der Stadt abgewandten Seite verlassen kann.

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Stadtbahnpavillon Karlsplatz

Das Haltestellengebäude der Stadtbahn am Karlsplatz ist sicherlich eines der bekanntesten Gebäude Wagners. Dabei wäre es in den 1960er Jahren beinahe dem Bau der U-Bahn zum Opfer gefallen. Sie wurden allerdings schließlich vollständig abgetragen und 1977 am alten Ort wieder aufgestellt, seit dem Jahr 2005 widmet das Wien Museum in einem der beiden identischen Gebäude eine Ausstellung ganz dem Leben und Schaffen Otto Wagners. Unter anderem werden zahlreiche Originalentwürfe Wagners gezeigt, etwa für die Kirche am Steinhof oder für die Postsparkasse. Im zweiten Gebäude ist ein kleines Café untergebracht.

Die zahllosen Details im Dekor der Stationsgebäude lässt sie zu einem prunkvollen Musterbeispiel der Wagnerischen Architektur werden. Zu sehen sind die Signalfarbe der Stadtbahn gestalteten Elemente aus Holz und Metall, dazu kommen edler, weißer Marmor und Dekorelemente in Gold.

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Otto Wagner Spital & Kirche am Steinhof 

Nachdem sich Otto Wagner mit der Stadtbahn gut bewährt hatte, bekam er mit der später nach ihm benannten 1907 vollendeten Niederösterreichischen Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Geisteskranke einen erneuten Großauftrag. Neben 26 Krankenpavillons, dem Direktionsgebäude und vielen Nebengebäuden gestaltete Wagner auch die Kirche zum Heiligen Leopold, die am höchsten Platz des Geländes entstand und mit ihrer goldenen Kuppel zum wichtigsten Werk Otto Wagners zählt. Neben den typischen Jugendstilelementen konzipierte Wagner hier auch speziell auf die Spitalspatienten abgestimmte Details: Ein Arztzimmer, Toiletten und Notausgänge wurden eingeplant, die Kirchenstühle durften wegen Verletzungsgefahr keine scharfen Ecken haben.

Zum Gelände gehören außerdem ein Jugendstiltheater und eine Otto Wagner Gallerie, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Kunst in die Psychatrie zu bringen.

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Otto Wagner Schützenhaus

Ende des 19. Jahrhunderts sollte der Donaukanal zu einem Winter- und Handelshafen untergebracht werden. An der Staustufe Kaiserbad baute Wagner förmlich um die mechanische Hebevorrichtung des Schützenkrans das 1908 fertiggestellte Schützenhaus, das bis heute eine markante Landmarke am Donaukanal ist. Ein Winterhafen ist der Donaukanal heute nicht mehr, bis auf wenige Ausnahmen gibt es heute nur noch wenig Schiffsverkehr dort und der Kanal dient mehr als Sommerliche Eventlocation. Passend dazu ist heute im Schützenhaus ein edles Restaurant untergebracht – typisch wagnerische Gestaltungsmerkmale sind bis heute jedoch erhalten geblieben.

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Majolikahaus (Linke Wienzeile 40)

Neben öffentlichen Gebäuden gestaltete Otto Wagner auch private Wohnhäuser. Die bekanntesten davon sind an der Linken Wienzeile. Mit besonders schönen Details ist das Majolikahaus ausgestattet. Es liegt direkt bei der U4-Station Kettenbrückengasse am Beginn des Naschmarkts. Da Hygiene eines der wichtigsten Gestaltungsmerkmale der modernen Architektur Wagners war, wurde die Fassade vollständig mit Majolikafliesen verkleidet, die abwaschbar sind. Die Fliesen zeigen ein detailreiches, florales Motiv, das sich über die gesamte Fassade erstreckt. Die Ornamente wurden von Wagners Schüler, Alois Ludwig, gestaltet.

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Postsparkasse PSK

Zum frühen Werk Wagners zählt die k. & k. Länderbankzentrale, die heute nur während des Open House Wochenendes (meist Anfang September) zugänglich ist. Danach bekam Wagner auch den Auftrag, die Wiener Postsparkasse an der Ringstraße zu gestalten. Diesen Auftrag führte er 1904 bis 1906 aus und machte das Gebäude zum typischen Bau des Jugendstils mit seiner Detailreichen Fassade, die mit kleinen Marmortäfelchen verkleidet wurde. Die dazu abgestimmten Aluminiumapplikationen sollen an einen Geldspeicher erinnern. Im Inneren ist der große Kassensaal und das wertvolle Mobiliar bis heute erhalten.

Nachdem das Gebäude an die Signa Holding verkauft wurde, zieht die Postsparkasse im Jahr 2018 allerdings aus, was Befürchtungen ausgelöst hat, dass das wertvolle Emsemble auseinandergerissen wird. Im März 2018 ist die Kassenhalle noch öffentlich zugänglich – die Chance vor dem Auszug der PSK sollte man also dringend noch nutzen!

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Mein Tipp: Danke, Otto! Im Wien Museum 15.3. bis 7.10.2018 (Eintritt 10€, unter 19 Jahre frei, jeder erste Sonntag im Monat frei)

Anlässlich des 100. Todestages widmet das Wien Museum in seinem Haupthaus dem großen Weltstadtarchitekten eine mehr als 500 Objekte umfassende Ausstellung.

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8 Kommentare

  1. Was für ein genialer Beitrag! Die Fotos sehen super aus und ich habe jetzt grade große Lust auch mal nach Wien zu reisen! Alleine Dein Beitrag hat mich grade mal wieder mehr als überzeugt! 🙂 Sicherlich kann man an dem ein oder anderen Ort auch mega Fotoshootings umsetzen. Den Jugendstil mag ich ja eh gerne & auf Fotos sieht das – siehe Deinen Bildern – einfach klasse aus! 🙂

    Danke für diesen schönen Artikel.

    Liebe Grüße aus Berlin. ♥

    XX, http://www.ChristinaKey.com

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  2. Super schöner Beitrag und richtig tolle Fotos! Der Jugendstil hat es mir ja auch schon lange angetan, diese Details sind einfach unglaublich schön! 🙂 Ich hätte jetzt große Lust mal nach Wien zu fahren, alleine wegen Deinen tollen Fotos bin ich grade sehr angetan! 🙂

    Danke für den tollen Artikel.

    Liebe Grüße aus Berlin. ♥

    XX, http://www.ChristinaKey.com

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  3. Wenn mich Wien nicht schon in seinen Bann gezogen hätte, dann wäre ich spätestens jetzt schwach geworden, richtig tolle Fotos! Wien ist eine meiner Lieblingsstädte, aber nach deinem tollen Beitrag muss ich unbedingt nochmal hin!
    Vielen lieben Dank für deinen tollen Beitrag 🙂

    LG aus Frankfurt
    Isa

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  4. Ich bin auch ein Wien-Fan und wie schön, dass ich bei der nächsten Reise gleich ein paar Ziele habe. Toller Bericht mit Fotos, die sehr neugierig und Lust aufs Entdecken machen. LG, Magdalena

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  5. Ich liebe Wien, die Stadt mich zwar nicht habe ich jedesmal den Eindruck wenn ich dort bin aber egal 😀 toller Artikel der Lust auf einen erneuten Besuch dieser wunderschönen Stadt macht.

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  6. Was für ein toller Beitrag und wunderschöne Fotos!! Vielen Dank für diesen informativen Beitrag! Einiges wusste ich zwar schon, manches war aber auch neu für mich.
    Die Otto-Wagner-Ausstellung steht noch auf meinem Plan. 🙂
    Liebe Grüße
    Julie

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