Mit 16 (mittlerweile 26 Jahre her) war ich das erste Mal alleine im Ausland unterwegs – mit einer Freundin in Barcelona. Und ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als wir aus der U-Bahn kam und das erste Mal die Sagrada Familia sah. Ich konnte es kaum glauben, so unkonventionell ist die Architektur Gaudis. Und die Sagrada ist schließlich das Meisterwerk des vor 100 Jahren verstorbenen Stararchitekten.

Gaudi starb übrigens auf seinem Weg zur Baustelle, als ihn eine Straßenbahn erfasste. Er wurde in der Krypta der noch lange nicht vollendeten Kirche beigesetzt – seit dem Jahr 2000 läuft sogar ein Verfahren zur Seligsprechung.

Wie ein lebendiger Wald aus Stein

Der Bau

Mit dem Bau der Sagrada Familia wurde 1882 im Stadtteil Eixample begonnen. Die Idee zum Bau hatte Josep Maria Bocabella, ein religiöser Buchhändler aus Barcelona, der von einer Italienreise zurückkehrte und die Idee zu einer durch Spenden finanzierte Sühnekirche hatte. Der dazu gegründete Verein konnte ein Grundstück vom Umfang von beinahe 13000 qm im damals noch wenig besiedelten Stadtteil erwerben.

Die Planungsleitung übernahm zunächst Francisco de Paula del Villar, der eine Art Kopie der Kathedrale von Loretto entwickelte.

Nur ein Jahr nachdem der Grundstein zur Krypta wurde im März 1882 gelegt. Doch wie es nun einmal so ist, kam es nur ein Jahr nach Baubeginn zu einem großen Zerwürfnis und der damals noch nicht ganz so große Gaudi kam ins Spiel.

Die Geburtsfassade der Sagrada Familia bei Nacht

Wie von Bocabella vorgesehen, finanziert sich der Bau bis heute alleine über Eintrittsgelder und Spenden. Wobei der Eintrittspreis seit meinem ersten Besuch im Jahr 2000 deutlich gestiegen ist. Zahlten wir damals noch 11€ (inklusive Turm), kostet der Besuch heute stolze 36€ (Turm inklusive Turm).

Das führte jedoch dazu, dass der noch 2019 geplante Fertigstellungszeitpunkt nicht eingehalten wird. Durch die Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen versiegte die Einnahmequelle. Aktuell geht man von einer Fertigstellung 2035 aus – immerhin jedoch erreichte man 2026 die Fertigstellung des höchsten Turms, was die Sagrada zur höchsten Kirche der Welt macht.

Fruchtzinnen der Sagrada Familia

Unser Besuch – Die Highlights

Besonders spannend fand ich die Lichtstimmungen, die Antoni Gaudi bereits zu Lebzeiten geplant hat, ohne sie jemals sehen zu dürfen. Sie sind der Natur nachempfunden und das Besondere: am Vormittag dominiert grünes Licht, am Nachmittag soll es tiefes rot sein.

Lichtstimmung am Vormittag, dominiert von kühlem Blau und Grün

Spannend ist dabei, dass man bei jedem Besuch die Sagrada anders erleben kann, da sich das Ganze den Tag über verändert. Beim nächsten Mal hoffen wir auf einen Timeslot am Nachmittag.

Das Deckengewölbe ist anders als man es bei bisherigen Kirchen jemals gesehen hat – und ich habe schon unzählige Kirchen gesehen. Auch hier orientierte sich Gaudi an der Natur. Die Sagrada erinnert dabei an einen Steinernen Wald und kommt vollständig ohne Verstrebungen aus.

Ein Besonderer Blick nach Oben

Der Gang auf den Turm war dagegen eher weniger spektakulär. Man fährt mit dem Aufzug nach oben – das geht auf beiden Seiten. Und von dort arbeitet man sich über eine relativ breite Wendeltreppe nach unten.

Blick vom Turm der Sagrada Familie

Die Krypta war bei unserem Besuch leider gesperrt. Es wird auch streng drauf geachtet, dass der Tourismus da nicht viel Zugang hat. Die Krypta ist ausschließlich zu Gebetszeiten geöffnet.

Blick in die Krypta

Besonders spannend sind die unterschiedlichen Fassaden der Kirche, die eine Art steinerne Version des Neuen Testaments repräsentieren. Die Geburtsfassade nahm noch zu Gaudis Lebzeiten Formen an und unterscheidet sich schon architektonisch stark voneinander.

Die Passionsfassade bei Nacht

Die Skulpturen der Passionsfassade stammen vom katalanischen Bildhauer Subirach und erzählen die Geschichte der Passion von unten nach oben bis hin zur Kreuzigung. Die Fassade wirkt klar strukturiert.

Die Geburtsfassade dagegen wirkt eher organisch und beinahe wie ein lebendiges Wesen.

Die Geburtsfassade der Sagrada Familia

Unser Besuch – Die praktischen Tipps

Das Beste vorab: Es gibt einen kostenlosen Audioguide, den man mit dem Smartphone abrufen kann.

Das Negative: Man sollte dringend vorab buchen, vor allem in der Hauptsaison. Häufig sind die Tickets mehrere Wochen im Voraus ausgebucht. Ich habe direkt über die Homepage der Sagrada Familia gebucht. Man sollte dringend vergleichen – Tickets kosten dort (Stand Juni 2026) 26€ für Erwachsene (inklusive Audioguide). Ich habe bei der Recherche Tickets mit gleicher Leistung für teils über 70€ gesehen… Der Lift auf den Turm mit anschließendem Abstieg über die Treppen kostet 10€ extra.

Den Turm selbst fand ich übrigens damals weniger spektakulär. Man hat ein bisschen Blick über Barcelona und auf einzelne Fassadenteile, ja – kann man machen. Man hat aber nix verpasst, wenn man das auslässt.

Irres Farbenspiel in der Sagrada Familia

Wir hatten damals zudem Glück, gleich den ersten Timeslot am Morgen zu bekommen. Wichtig ist, dass man sich auf eine flughafenähnliche Sicherheitskontrolle einstellen muss. Das kostet zusätzlich ein bisschen Zeit. Und ganz für sich ist man auch bei Öffnung der Tore nicht ganz – es füllt sich doch relativ schnell.

Man bekommt mit dem Ticket aber ohnehin entsprechende Anweisungen. Koffer und größere Rucksäcke sind beispielsweise nicht erlaubt – genauso wenig Speisen. Verschlossene Wasserflaschen passen aber normalerweise. Große Stative sind auch verboten. Achtung: In der Sagrada selbst gibt es keine Aufbewahrungsmöglichkeiten (wir haben zumindest keine gesehen).

Außerdem gelten die gleichen Kleidungsbedingungen wie in anderen katholischen Kirchen, die Schultern und die Knie sollten bedeckt sein. Wir waren allerdings das letzte Mal im Dezember dort, da war das kein großes Hindernis…

Funfacts

2016 – also 134 Jahre NACH der Grundsteinlegung – stellte man fest, dass für die Sagrada Familia nie eine Baugenehmigung eingeholt wurde. Diese wurde 2019 für 7 Jahre erteilt, um den ursprünglich geplanten Fertigstellungszeitpunkt 2026 schaffen zu können. Das kostete die Baugesellschaft 4,3 Millionen Euro plus 36 Millionen, um die Auswirkungen des Baus auf die Nachbarschaft abzumildern, also etwa für die Sanierungen von Straßen, die durch die Bauarbeiten beansprucht wurden.

Das zum Todestage Gaudis am 10. Juni 2026 angebrachte und vom Papst geweihte Kreuz auf dem Hauptturm wurde in Gundelfingen in Bayern gefertigt. Es ist 100 Tonnen schwer, besteht aus einer Stahlkonstruktion mit einer Ummantelung aus Beton, Keramik, Marmor und Glas. Besonders spektakulär soll die nächtliche Beleuchtung sein (bei meinem Besuch 2023 noch nicht da).

Um die Figuren an der noch zu seinen Lebzeiten begonnenen Geburtsfassade besonders lebendig wirken zu lassen, nutzte Gaudi für seine Modelle Gipsabdrücke echter Menschen. Dafür mussten unter anderem Bauarbeiter seiner Baustelle herhalten, die sich so verewigen konnten.

Lego veröffentlichte kürzlich sein mit 12060 Teilen größtes Set – ein Modell der Sagrada Familia. Es wird ab November 2026 ausgeliefert, kostet 749€ und orientiert sich an der Geschichte des Gebäudes. Es wird nicht von unten nach oben aufgebaut – man beginnt wie Gaudi bei der Krypta, baut anschließend die Geburtsfassade und das Kirchenschiff und zum Schluss werden die 6 Haupttürme gebaut.

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