Auf Entdeckungsreise in den Gärten von Schönbrunn

In den Gärten von Schönbrunn – ein kleiner Spaziergang

Schönbrunn kennt wohl jeder – entweder als legendäres Schloss der Habsburger oder als romantische Kulisse der Sissi-Filme. Das gigantische Bauwerk, dessen Farbe den Baustil in vielen Städten der Donaumonarchie geprägt hat („Schönbrunner Gelb“) zählt in seinem heutigen Zustand 1441 Zimmer. Die Geschichte des Schlosses begann 1638-42 als Residenz der Kaiserin Eleonora Gorganza. Unter Kaiserin Maria Theresia wurde es zur Sommerresidenz ausgebaut und so gut wie jeder darauf folgende Kaiser hinterließ hier seine Spuren.

Rund 3,8 Millionen Menschen besuchten 2016 das legendäre Kaiserschloss in Wien Hietzing. Sein Name geht übrigens auf Kaiser Matthias zurück, der hier 1619 auf einer Jagd einen artesischen Brunnen entdeckt und ausgerufen haben soll „Welch schöner Brunnen“. Heute will ich euch allerdings nicht mitnehmen durch das Schloss der einstigen Kaiser – ich gehe mit euch viel mehr auf einen Spaziergang durch die Gärten von Schönbrunn, in denen man weit weniger Chinesische Touristengruppen trifft, sondern viel mehr auf Eisbären, Rosengärten und versteckte kleine Schlösschen, Statuen und Obelisken.

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Beginnen möchte ich meinen Rundgang beim Hietzinger Tor (U4 Hietzing).

Palmenhaus, Eintritt 6€, geöffnet 9.30 – 18 Uhr

Die Habsburger haben vor allem eins: gesammelt. So entstanden nicht nur das Kunst- und das Naturhistorische Museum sowie der Schönbrunner Tiergarten, sondern auch das Palmenhaus Schönbrunn (übrigens nicht zu verwechseln mit dem Palmenhaus bei der Hofburg). Das Gebäude fällt einem gleich ins Auge, wenn man den Schlosspark durch das Hietzinger Tor betritt, erinnert es doch ein wenig an große Glasbauten wie der Crystal Palace in London. Es geht auf Kaiser Franz Josef zurück, der es 1880 bei Hofarchitekt Franz Xaver Segenschmid in Auftrag gab. Mit einer Länge von 111 m, einer Breite von 28 m und einer Höhe von 25 m ist das Palmenhaus das größte Glashaus auf dem europäischen Festland. Es beherbergt 4500 exotische Pflanzenarten, zum Teil im tropischen Klima.

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Wüstenhaus, Eintritt 6€, geöffnet 9.30 – 18 Uhr, mit der Niederösterreichcard freier Eintritt

Etwas unscheinbarer, direkt gegenüber des Palmenhauses liegt das Sonnenuhrhaus, das seit 2004 das Wüstenhaus Schönbrunn beherbergt. Es diente zunächst ebenfalls als Überwinterungshaus der „Neuholländer Sammlung“ von Pflanzen des kaiserlichen Hauses. Neben den Sukkulenten werden heute Vögel, Reptilien und Kleintiere aus Wüstengebieten vorgestellt. Ein besonderes Highlight: Im Eingangsbereich steht ein großes Becken mit Fischen, die einem die überschüssige Haut abknabbern.

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Tiergarten, Eintritt 18,50€, geöffnet 9 – 18.30

Der Schönbrunner Tiergarten ist weltbekannt. Er wurde 1752 von der kaiserlichen Familie gegründet und ist damit der älteste noch bestehende Zoo der Welt. Regelmäßig bekommt er Auszeichnungen, 2014 wurde er etwa als „Bester Zoo Europas“ ausgezeichnet. Es werden 8775 Tiere aus 746 Tierarten gezeigt, zum Teil sind sogar die historischen, denkmalgeschützten Anlagen erhalten, etwa der Kaiserpavillon, der heute ein Restaurant beherbergt oder das Affenhaus. Ein weiteres Highlight ist der Tirolerhof, der weit oben im Wald liegt. Dabei handelt es sich um den Haidacher Hof von 1722, der in Tirol abgetragen und in numerierten Teilen nach Schönbrunn gebracht und wieder aufgebaut wurde. Hier haben vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen ein neues zu Hause gefunden.

Neptunenbrunnen und Gloriette

Der Neptunenbrunnen mit der Gloriette bildet wohl den legendärsten und pompösesten Ausblick auf den Garten von Schönbrunn – schließlich liegt er doch direkt angrenzend an das Schloss. Tritt man hier über die repräsentative Gartenstiege nach draußen, raubt es einem schier den Atem. Zunächst gibt es eine flache, stets mit Blumen bepflanzte, weite Ebene, flankiert von prächtigen Statuen, das sogenannte „große Parterre“. Hier tritt man dann immer näher an den Neptunenbrunnen, hinter dem sich der Hügel der Gloriette erhebt. Die dargestellte Meerfahrt des Neptun steht als Gleichnis für den Fürsten, der sein Land über die Fährnisse des Schicksals hinwegzulenken versteht“. Dahinter beginnt der Aufstieg zum 241 m hohen Aussichtspunkt, auf dem sich die große Gloriette aus dem Jahr 1775 erhebt. Gewidmet wurde die Gloriette als Ruhmestempel dem „gerechten Kriege“ – genutzt wurde sie als Festsaal, Kaiser Franz Josef hat hier gerne sein Frühstück zu sich genommen. Das kann man auch heute tun, die Gloriette zählt zu den Cafés mit der besten Aussicht von Wien.

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Römische Ruine

Der Barock, in dem der Garten maßgeblich entstand, brachte auch einige Skurilitäten mit sich. Damals galt die römische Antike als en vogue. Und obwohl Wien sich ja auf eine römische Geschichte berufen kann (Legionslager Vindobona), war das für den Kaiser nicht genug. Man ließ sich 1778 in Schönbrunn seine eigene römische Ruine bauen. Sie symbolisierten auf der einen Seite den Untergang einstiger Größe, aber auch eine Rückberufung auf die römische Tradition.

Eine Figurengruppe aus Marmor repräsentiert unter anderem den die Mächte des Bösen bekämpfenden Herkules, der die ganze Anlage überragt. Dazu kommen die Flussgötter von Elbe und Moldau.

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Obelisk

Der Obeliskenbrunnen bildet den Abschluss unserers kleinen Rundgangs und ist zugleich das Ende der südöstlichen Achse. Er liegt unweit des Meidlinger Tors, etwas abseits der herkömmlichen Touristenrouten durch das Schloss. Er entstand 1777 unter dem Architekten Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg.

Der Obelisk selbst besteht aus 27 Blöcken, die auf 4 goldenen Schildkröten ruhen. Diese stehen in der Symbolik für Stabilität und Ewigkeit, genau wie der Obelisk häufig für die Standfestigkeit eines Herrschers steht. In Hieroglyphen ähnlichen Zeichen wird auf dem Obelisken die Geschichte des Hauses Habsburgs erzählt. Weit oben sitzt der Adler auf der goldenen Kugel, er repräsentiert das Heilige Römische Reich, dessen Oberhaupt der damalige Kaiser war. Das Konstrukt ruht auf einem Grottenberg, der als Sybillengrotte nach der Vergilis Aeneis den Zugang zur Unterwelt bildet.

Aus dem zugehörigen Wasserbassin, mit dem man den Brunnen betrieb, entstand das Schönbrunner Bad, in dem Kaiser Franz Josef einst Schwimmen lernte.

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