Der Stephansdom ist wohl DAS nationale Symbol Österreichs. Bei einem Besuch in der Bundeshauptstadt kommt man kaum am legendären Bau im Zentrum der Stadt vorbei. Doch viele Besucher kennen sie nicht, die vielen Legenden, die sich um den Bau der Kathedrale ranken.
Geschichte des Stephansdoms
Der Habsburger Rudolf der Stifter, der heute in seinem Dom begraben ist, legte am 7. April 1359 den Grundstein zum Südturm und setzte damit eine lange Baugeschichte in Gang.
Nach der Türkenbelagerung 1683, bei der Dom durch Kugeln der Belagerer beschädigt wurde, wurde aus den Kanonen der Türken die legendäre „Pummerin“ gegossen, eine Glocke, die bis heute an besonderen Ereignissen geleutet wird – das Original wurde allerdings beim Brand 1945 zerstört.
Am Ostersonntag 1945 kam es zu einem schickalhaften Brand. Nachdem der Stephansdom sämtliche Angriffe ohne größeren Schaden überstanden hatte, wurde am 10. April 1945 am Südturm die weiße Fahne gehisst. Nur zwei Tage später legten Plünderer in den umliegenden Geschäften Feuer, das auf den Dachstuhl des Doms übergriff. Das brennende Dach stürzte ein, die Pummerin stürzte ab und zerschellte am Boden.
Doch der Steffl wurde auch zum Symbol des Neuanfangs – schon 1952 wurde der Dom mit dem Einzug der neugegossenen Pummerin feierlich wieder eröffnet.
Das Dach gedeckt von Bergsteigern
Der Stephansdom ist auch aufgrund seines farbenfrohen Dachs bekannt. Insgesamt 230000 bunte Ziegeln sind auf dem steilen Dachstuhl befestigt – das an der steilsten Stelle eine Neigung von bis zu 80° aufweist – der Gedanke dahinter war, dass es zu einem Selbstreinigungseffekt der Ziegeln kommt, da das Regenwasser in einer größeren Geschwindigkeit abfließt und auch Schnee nicht am Dach liegenbleibt. Der Nachteil dahinter – das Dach konnte dort nur von ausgebildeten Bergsteigern gedeckt werden.
Der Dachstuhl besteht seit den Instandsetzungsarbeiten nach dem Brand 1945 aus einer 600 Tonnen schweren Stahlkonstruktion, die vorherige Lärchenholzkonstruktion war vollständig abgebrannt. Das Zickzack-Muster, das die bunten Ziegel bilden, entstammt einem traditionellen Teppich, auf der anderen Seite sieht man das Wappen der Republik Österreich und der Stadt Wien.

Erbaut auf einem Friedhof
Ein bisschen gruselig wird es, wenn man sich in die Katakomben unter dem Stephansdom begibt. Denn unterhalb des Doms befindt sich eine weitläufige Anlage aus mehr als 30 Grabkammern, die ursprünglich auf die Fürstengruft zurückgeht, die Rudolf der Stifter 1363 anlegen ließ.
In einem Teil der Anlage sind die Eingeweide der Habsburger beigesetzt (Körper befinden sich traditionell in der Kapuzinergruft, die Herzen in der Lorettokapelle in der Augustinerkirche), in einer weiteren die Wiener Kardinäle und Erzbischöfe sowie Mitglieder des Domkapitels.
In den weiteren Räumen sind mehr als 10000 Menschen begraben. Sie entstanden nach der Auflassung des oberirdischen Stephansfriedhofs am heutigen Stephansplatz. Diese Praxis wurde 1783 unter Joseph II. entgültig verboten, die Kammern blieben allerdings erhalten und können heute in Führungen besichtigt werden.
Katakombenführungen (Erwachsene 5,50€, Kinder bis 14 Jahre 2€)
| Montag bis Samstag Sonn- und Feiertag |
10:00 – 11:30 Uhr und 13:30 – 16:30 Uhr 13:30 – 16:30 Uhr |
Der große und der kleine Turm – oder der Pakt mit dem Teufel
Im Gegensatz zu anderen großen Kathedralen hat der Stephansdom nur einen fertiggestellten Turm, den 136,4 m hohen Südturm. Der beherbergte auch über Jahrhunderte eine Türmerstube in 72 m Höhe für die Brandwache. Die ist bis heute noch für die Öffentlichkeit zugänglich. Er wurde 1433 fertiggestellt.
Legenden ranken sich jedoch um den nur als eine Art Stumpf existierenden Nordturm. Mit dem Bau, der das symmetrische Bild des Doms vollenden sollte, wurde 1467 begonnen. Zunächst wurde er aufgrund von wirtschaftlicher Schwierigkeiten nicht vollendet. Dann kam es zu religiösen Wirren und dann schließlich drohte Gefahr durch die Türken. Als Begründung für den Steinstumpf gibt es viele Legenden. Die bekannteste darunter ist, dass Dombaumeister Puchsbaum einen Pakt mit dem Teufel eingegangen sein soll. Der Teufel versprach, dass Puchsbaum den Turm innerhalb eines Jahres vollenden kann, wenn er weder den Namen des Herren noch sonstiger Heiliger aussprechen würde. Im Gegenzug sollte der Teufel Puchsbaums Tochter ausführen dürfen. Doch das gelang Puchsbaum nicht, unter anderem weil seine Tochter den Namen Maria trug.

Eine neue Orgel für den Dom
Derzeit wird die alte Kauffmann-Orgel, die über dem Riesentor stand, restauriert. Die größte Orgel Österreichs mit mehr als 10000 Pfeifen und 125 Registern wurde aufgrund von Fehlern in der Akustik schon seit 1991 nicht mehr gespielt und wird nun beim Orgelbauer Rieger restauriert. Dazu wurden die Teile der Orgel im Herbst 2017 abgebaut und nach Vorarlberg transportiert. Am Ostersonntag 2020 soll sie in neuem Glanze wieder erklingen. Bis dahin werden weiterhin die Domorgel im Seitenschiff bzw. die Haydnorgel gespielt – wie bisher. Anlässlich des Abbaus hatte ich die außergewöhnliche Gelegenheit, ins Gerüst der Orgel zu klettern und den Dom aus grandiosen Perspektiven aufzunehmen.




Dommuseum Stephansplatz 6, 1010 Wien
Nach 5 Jahren Bauzeit wurde im Oktober 2017 das Dommuseum am Stephansplatz in völlig neuem Gewand wieder eröffnet. Die Sammlung bietet dabei eine spannende Kombination aus alten Werken, etwa das Porträt von Rudolf IV., das als ältestes Porträt des Abendlandes gilt, und Werken der Wiener Moderne aus der Sammlung Otto Mauer. Die erste Sonderausstellung beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Wort und Bild über die Jahrhunderte von frühen Illustrierungen aus dem Mittelalter bis zur modernen Kunst. Ein außergewöhnliches Highlight ist auch eine Fahrt mit dem futuristischen Aufzug.






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