Auf Reisen stößt man immer wieder auf beeindruckende Orte, die einen völlig überraschten. In Amsterdam gehört für mich definitiv eine Kirche dazu, von der zwar jeder wusste, die es aber nicht hätte geben dürfen.

Ons‘ Lieve Heer ob Solder

Als die Dachboden- oder Schuilkerk im 17. Jahrhundert entstand, war der Katholizismus in den Niederlanden verboten. Das Land gehörte zu den Hochburgen der Reformation, weshalb katholische Kirchen profaniert wurden oder an die Calvinisten übergeben werden mussten.

Gleichzeitig aber herrschte die Gewissensfreiheit. Während die Ausübung einer anderen Religion im öffentlichen Raum strikt verboten war, wurden Andersgläubige geduldet, solange sie ihre Religion im Privaten, also hinter verschlossenen Türen, ausüben. So entstanden insgesamt etwa 65 Schlupfkirchen – nur wenige davon sind bis heute erhalten.

Und hier kam der Deutsche Kaufmann Jan Hartmann ins Spiel. Der Deutsche wurde unter anderem mit Leinenhandel in der Niederländischen Hauptstadt reich und erwarb 1630 das Haus am Voorburgwal und seine beiden Nebengebäude.

Etwa 1661 entschied Hartmann, mehr Katholiken den sonntäglichen Kirchgang zu ermöglichen. Er legte die Dachböden der Drei Gebäude zusammen. Das änderte sich erst mehrere Jahrhunderte, als den Katholiken die Ausübung der Messe in der St. Nikolas Kirche ermöglicht wurde.

Seit 1888 ist das Gebäude ein Museum. Die Kirche blieb in ihrem Zustand seit 1862 unverändert.

Der Museumsbesuch heute

Das Museum Ons‘ Lieve Heer op Solder in Amsterdam (Oudezijds Voorburgwal 38) ist täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Sonntags öffnet das Museum jedoch erst um 13:00 Uhr

Das Ticket (mit Audioguide in verschiedenen Sprachen) kostet 18€ – Kinder und Jugendliche (5-17 Jahre) zahlen 7,50€.

Achtung, die teils steilen Stiegen machen das Museum für Rollstuhl oder Kinderwagen nicht zugänglich!

Bis heute erkennt man die Untergliederung in drei Gebäude. Allerdings war nur noch die Kirche im Zustand wie zu Jan Hartmanns Zeiten – die anderen Räume wurden teils wieder in einen alten Zustand zurückversetzt.

Mit dem Eingang durch den Keller folgt man den Spuren der Gläubigen. Direkt an der Gracht liegt ein Zimmer, das als eine Art Geschäftsraum genutzt wurde.

Der ursprüngliche Eingang

Von dort geht es über eine steile, teils wohl noch im Original erhaltenen Stiege steil nach oben ins Empfangszimmer Jan Hartmanns. Dies sollte mit ihren Gemälden, der prunkvollen Kassettendecke und dem Wappen über dem Kamin beeindrucken.

Und von dort geht es dann weiter in den Kirchenraum.

Die Treppe hinauf zur Kirche

Die Kirche unterteilt sich in mehrere Ebenen – unten hatten die Vermögenden ihre Sitzplätze, auf den Emporen gab es Stehplätze für die weit weniger Begüterten, die allerdings ohne Einschränkungen teilnehmen durften.

Auf dem Weg hinunter trifft man zusätzlich auf eine Küche und eine Wohnung, in der wohl die Priester wohnten. Solange die Kirche existierte, hatte sie einen eigenen Priester.

Eine der beiden Küchen stammt aus dem 17. Jahrhundert – hier wurde wohl für die Familie Hartmann und den Priester gekocht.

Mich hat die Geschichte der Versteckten Kirchen in Amsterdam extrem beeindruckt, eben weil ich so etwas bisher noch nicht gehört hatte. Meist wurden ja Gläubige der anderen Konfession strickt vertrieben – aber von solch einer Co-Existenz hatte ich bisher noch nie gehört.

Ich finde, alleine das Eintauchen in die Lebenswelt Jan Hartmanns in ein Grachtenhaus aus dem 17. Jahrhundert war das Eintrittsgeld mehr als wert. Dieser versteckte Ort in den Gassen von Amsterdam ist einfach großartig.

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