„Peace & Plenty“ – Erwin Wurm und seine Zeichnungen in der Wiener Albertina

Wenn man in Österreich – vermutlich sogar in Europa – an den Begriff „Contemporary Art“ denkt, kommt man an einem Namen nicht vorbei. Erwin Wurm hat nicht nur das „Fat House“ konstruiert, dass den chinesischen Touristen vom oberen Belvedere regelmäßig ein Runzeln auf die Stirn zaubert. Von ihm stammen auch die berühmt berüchtigten One Minute Sculptures. Der Besucher findet dabei regelmäßig in seinen Ausstellungen kleine Podeste vor, auf denen Handlungsanweisungen gezeichnet sind. Hier kann man sich dann als „One Minute Sculpture“ in teils grotesken Lagen wiederfinden und selbst zu einem Ausstellungsstück werden.

Mit „Peace & Plenty“ ist der Albertina Wien nun eine eher außergewöhnliche Ausstellung gelungen – denn anstatt seiner Skulpturen werden diesmal mehr als 300 Zeichnungen ausgestellt, die den Künstler Tag für Tag begleiten.

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Erwin Wurm – Gegenwartskünstler

Meine erste Begegnung mit Erwin Wurm war eine Gurke. Genau genommen waren es gleich mehrere Gurken, die auf kleinen Podesten im Wiener Leopoldmuseum ausgestellt waren. Ich muss zugeben – ich war irritiert, aber irgendwie auch amüsiert. 

Inzwischen habe ich schon wesentlich mehr über den inzwischen weltweit bekannten Gegenwartskünstler aus Bruck an der Mur gelernt, dessen große Kunst es ist, die alltägliche Absurdität festzuhalten, die einem erst bewusst wird, wenn man sich selbst einmal als One-Minute-Sculpture betätigt. Erwin Wurm hat das Talent, die Schwachstellen des Menschen aufzugreifen – was man aber erst erkennt, wenn man selbst ein bisschen reflektiert durch eine solche Ausstellung geht. Er nimmt alltägliche Dinge – wie etwa eine Gurke – aus dem normalen Umfeld und tauscht ihre Funktion aus, macht sie zu einem Kunstobjekt oder sogar zu einer Waffe. 

Sein Elternhaus hat er im „Narrow-House“ in der Längsachse auf 1/6 der Größe reduziert – und genau darin liegt der Reiz in Wurms Kunst. Ihm gelingt es mit seinen Werken, beim Betrachter ganz unbewusst einen Perspektivwechsel auf das Alltägliche auszulösen und das manchmal Paradoxe um uns herum zu erkennen.

Gehört einfach in jede Erwin Wurm Ausstellung – Die Gurke

Peace & Plenty – Erwin Wurm zeichnet

Eigentlich gehört Zeichnen zum Alltag eines Künstlers – auch wenn bisher im Werk Erwin Wurms doch die Skulpturen meist im Vordergrund stehen. Doch diesmal ist es anders – die Albertina stellt mit mehr als 300 Zeichnungen unterschiedlichster Art – von Aquarell bis Bundstifft, von Kugelsschreiber bis Wasserfarbe – aus. 

Im Fokus stehen hierbei Porträts – darunter bekannte Gesichter der Kunst- und Kulturgeschichte wie Georg Büchner, Thomas Mann oder Samuel Beckett, aber auch zahlreiche Selbstporträts. 

Viele Zeichnungen sind im Urlaub entstanden. Im Hotel Peace & Plenty in Georgetown auf den Bahamas. Dort entstanden auch nach einem Asthma-Anfall zahlreiche Werke, die sich mit dem Thema beschäftigen, was uns im Alltag den Atem raubt – hier tauchen Raucher auf, in einem Werk steckt die Figur sich aber sogar den Hahn einer Zapfsäule in den Mund.

Ein wichtiges Thema seiner Kunst – die One Minute Sculptures – nehmen auch ein Teil der Ausstellung ein. So gibt es die Werkgruppe One Minute for Ever in der ein Mensch so lange an der Wand lehnt, bis er zum Skelett wird, in einer weiteren Gruppe versucht ein Mann, auf den Lehnen eines Stuhls zu Balancieren.

Und natürlich begegnen wir auch weiteren für Erwin Wurm obligatorischen Elementen wie der Gurke, die einmal einem Indianerpfeil gleich aus den Ohren einer Figur kommt oder dem Betrachter auch als gezogene Waffe in den Händen einer Figur auffällt.

„Peace & Plenty“ ist eine umfangreiche Werkschau eines unübertroffenen Künstlers, der in seinem Tun ähnlich vielfältig ist, wie die hier ausgestellten Werke. 

Nach dem Kunstmuseum in Luzern ist die Albertina übrigens die zweite Station der Ausstellung.

Erwin Wurm (rechts) zeigt Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder und Kuratorin Dr. Antonia Hoerschelmann eine seiner Zeichnungen

Ausstellungsinfos

Eintrittspreise für die Gesamtausstellung der Albertina – „Peace & Plenty“ ist nur ein Teil – Sehr empfehlenswert ist die derzeit laufende Monet-Retrospektive

Erwachsene 14€

Junge Erwachsene bis 26 Jahre 11€

Jugendliche bis zum 19. Lebensjahr freier Eintritt

Öffnungszeiten 

Geöffnet ist täglich 9 – 18 Uhr.

Mittwochs und Freitags ist 9 – 21 Uhr geöffnet.

Lage

Die Albertina liegt am Albertinaplatz unmittelbar hinter der Staatsoper im 1. Bezirk. Öffentlich nutzt man die Straßenbahnen D, 1, 2, 71 oder die Badner Bahn (Station Oper), die U-Bahnen U1, U2 und U4 (Station Karlsplatz). Von dort ist die Albertina in wenigen Schritten zu erreichen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 12. Februar 2019.

Von Links: Prof. Dr. Klaus Albrecht Schröder (Generaldirektor der Albertina), Dr. Antonia Hoerschelmann (Ausstellungskuratorin) und Erwin Wurm
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