Auf einer Reise zum Seerosenteich – Monet in 100 Bildern – die Herbstausstellung in der Albertina Wien

Die Albertina gehört sicherlich zu den bekanntesten Museen von Wien. Die einstige Sammlung von Albert von Sachsen Teschen wuchs über die Jahrhunderte auf mehrere Millionen Objekte an.

Immer im Herbst bietet die Albertina eine der größten Ausstellungen von Wien. Im vorigen Jahr war es eine große Rafael Ausstellung, in diesem Jahr dreht sich alles um einen Teich mit Seerosen. Denn das erste Mal seit mehr als 20 Jahren zeigt die Albertina eine große Monet-Retrospektive mit 100 Bildern aus dem Werk des großen, impressionistischen Malers.

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Klaus Albrecht Schröder mit der Kathedrale von Rouen – die Monet-Ausstellung ist der ganze Stolz des Generaldirektors der Albertina

Die Welt im Fluss – Claude Monet in der Albertina

Claude Monet (1840 – 1926) – Ein Leben für die Kunst

Claude Monet wurde am 14. November 1840 als zweiter Sohn von Kolonialwarenhändler Adolphe Monet in Paris geboren. Im zarten Alter von 5 Jahren zog Monet mit seiner Familie an die Seine Mündung nach Le Havre, wo der kleine Claude aufwuchs und am Gymnasium seinen ersten Zeichenunterricht erhielt. Dort lernte der Junge, seine Lehrer und andere Schüler in Karikaturen zu zeichnen und war dafür schon im Alter von 15 Stadtbekannt.

Trotzdem bleibt Monet bis zu seinem großen, internationalen Durchbruch verarmt. Bei teils sehr widrigem Wetter arbeitet er, bei Eiseskälte hat er oft sogar einen kleinen Ofen dabei, um sich die vom Malen taubgewordenen Finger zu wärmen. Doch kaum ein Bild lässt sich wirklich verkaufen. Hauptkritikpunkt ist die Außerkraftsetzung jedlicher damals für Landschaftsbilder gebräuchlicher Normen – seine Landschaften wirken erstaunlich dimensionslos und detailarm – erst die Betrachtung aus der Ferne ergibt ein ganzes Bild. Seine Pinsel sollen bis zu 1,5 m lang gewesen sein, um diesen Effekt zu erreichen.

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Camille Monet mit Kind im Garten – 1875 – Museum of Fine Arts in Boston

1870 flüchtet Monet vor der Einberufung in den Deutsch-Französischem Krieg gemeinsam mit seiner Geliebten Camille und seinem Sohn Jean nach London, wo er Camille schließlich auch heimlich heiratet. Nach seiner Rückkehr lässt sich die Familie Monet zunächst in Argenteuil nieder, wo auch 1874 seine erste – von der Presse verspottete – Ausstellung statt. Er und seine Freunde werden aufgrund der skizzenhaften Stimmungsmalerei als „Impressionisten“ beschimpft.

Monet ist  überschuldet, kann weder die Farben und Pinsel noch die Rechnungen seines Lebensmittelhändlers bezahlen und zieht deshalb ins abgeschiedene Dorf Vétheuil, wo Camille nach einer missglückten Abtreibung starb. Monet lebt nun dort mit seinen zwei Kindern und mit Alice Hoschedé und ihren 6 Kindern.

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Erst mit den Creuse-Landschaften und der Serie, die die Kathedrale von Rouen zeigt, kommt endlich der Erfolg. Den hat er vor allem dem Überschwappen des Impressionismus in die USA zu verdanken, dort werden ihm die Bilder quasi aus den Händen gerissen

1883 zieht sich Monet nach Giverny zurück, das bis heute Hauptzielort vieler Monetpilger ist. Zunächst mietet er ein altes Presshaus, das er 1890 nach seinem Durchbruch erwirbt. Dort ließ er den berühmten Garten mit seinem Seerosenteich und der Japanischen Brücke errichten, die er in unzähligen Gemälden verewigte. Er soll hier 6 Gärtner gleichzeitig beschäftigt haben, damit der Teich immer in perfektem Zustand gehalten wurde. Das Besondere an Monets Seerosenbildern ist das vollständige Auflösen aller gängigen Ideale für ein Landschaftsbild – man sieht weder einen Horizont noch den Himmel, den höchstens indirekt in Form von Reflexen auf der spiegelnden Wasseroberfläche. Für die Farbkomposition im Ziergarten kaufte Monet teils exotische Pflanzen, die zu dem Zeitpunkt in Frankreich nicht bekannt waren. Immer stärker werden seine Sehschwierigkeiten und immer mehr zieht sich Monet in seinen lichtdurchfluteten Garten zurück – wo er auch 1926 im Alter von 86 Jahren stirbt.

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Creuse-Landschaften verhalfen Monet zum großen Durchbruch

Claude Monet in 100 Bildern – ein Publikumsmagnet

Nach 2 1/2 Jahren Vorbereitungszeit gelang es der Albertina für die aktuelle Ausstellung 100 Bilder aus der ganzen Welt zusammenzutragen. Diese stammen von insgesamt 45 Leihgebern, darunter das Musee d’Orsay in Paris oder die National Gallery in London. Der Versicherungswert einiger Bilder liegt bei 100 Millionen Euro (also pro Bild, nicht pro Leihgeber. Nur 3 Bilder stammen aus der eigenen Sammlung. Es werden bis zu 5000 Besucher am Tag erwartet, was am Ende der Ausstellung rund 450 000 Besucher bedeuten würde.

All das sind Zahlen, die mindestens genauso beeindrucken wie die Ausstellung selbst. Man begibt sich auf eine kleine Reise durch das Leben von Monet – von den frühen Jahren in Le Havre über die Jahre in Paris und mit der Zunehmenden Verarmung und den damit verbundenen Umzügen aufs Land bis hin zu seinem großen Durchbruch im zarten Alter von 50 Jahren, seinen damit verbundenen Reisen und den Rückzug an den Seerosenteich bei seinem Haus in Giverny.

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Generaldirektor der Albertina Klaus Albrecht Schröder an Monets Seerosenteich

Ich finde es dabei besonders spannend, wie man hier dramaturgisch die Ausstellung mit Motiven aus Monets Leben die technische Entwicklung des Impressionismus nachvollziehen kann – von den ersten Porträts über Gemälde, die seine Frau Camille, die immer wieder in seinem Gemälden auftaucht bis hin zu den Seerosen von Giverny, die er in seinen späten Jahren häufig in unterschiedlichsten Varianten gemalt hat. Dieser Aufbau beginnt schon bei den Kassen – ein in Blautönen gehaltener Teppich führt einen direkt hinein zur Monetausstellung.

Immer wieder sieht man, dass Monet beinahe manisch immer wieder das gleiche Motiv in unterschiedlichen Lichtsituationen gezeichnet hat, etwa ein Flusstal oder auch die Kathedrale von Rouen. Als eine Reihe Pappeln, die er zum Motiv gewählt hat, zum Abholzen versteigert wurde, zahlte er dem Zweitbietenden sogar die Differenz zum Gewinner und stellte die Bedingung, dass er die Pappeln so lange stehen ließe, bis Monet mit seinen Gemälden fertig ist.

Ein Funfact übrigens – die prunkvollen, barocken Rahmen, in denen die impressionistischen Gemälde heute präsentiert werden, haben wir den Amerikanischen Sammlern zu verdanken – die Impressionisten wollten alles Licht auf dem Bild sehen und hatten daher damals ihre Bilder in einfachen, weißen Rahmen.

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Düsteres Spätwerk

Info

Eintrittspreise

Erwachsene 14€

Junge Erwachsene bis 26 Jahre 11€

Jugendliche bis zum 19. Lebensjahr freier Eintritt

Öffnungszeiten 

Geöffnet ist täglich 9 – 18 Uhr.

Mittwochs und Freitags ist 9 – 21 Uhr geöffnet.

Lage

Die Albertina liegt am Albertinaplatz unmittelbar hinter der Staatsoper im 1. Bezirk. Öffentlich nutzt man die Straßenbahnen D, 1, 2, 71 oder die Badner Bahn (Station Oper), die U-Bahnen U1, U2 und U4 (Station Karlsplatz). Von dort ist die Albertina in wenigen Schritten zu erreichen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 6. Januar 2019.

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