Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson & Juman Malouf im Kunsthistorischen Museum

Es ist eine der wohl am meisten erwarteten Ausstellungen der Saison in Wien. Stellt euch vor, ihr dürft sämtliche mehrere Millionen Ausstellungsstücke des Museumsverbands des Kunsthistorischen Museums durchforsten und daraus eine Artist’s Choice Ausstellung machen, du kannst sie also so zusammenstellen, wie du es gerne magst. 

Go Green

Der Texanische Filmproduzenten Wes Anderson (Grand Budapest Hotel oder Isle of Dogs) stand gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Juman Malouf im Jahr 2012 genau vor dieser Wahl. In der Artist’s Choice Ausstellungsreihe durften die beiden ihre ganz eigene Ausstellung zusammenstellen – fernab jedlicher kunsthistorischer Richtlinien. Was dabei entstanden ist, wird noch bis zum 28. April 2019 im Kunsthistorischen Museum zu sehen sein.

Im Mittelpunkt steht ein kleiner Sarg aus dem alten Ägypten, der kurioserweise dauerhaft in der Ägyptischen Sammlung des KHM zu sehen ist, mir war er aber noch nie aufgefallen. Es war wohl einst eine Beigabe in einem ägyptischen Grab, heute ist der kleine, bemalte Kasten leer. 

Der Star der Ausstellung – Der Spitzmaus-Sarkophag

Malouf und Anderson setzen die Ausstellungsstücke in völlig neuem Zusammenhang – die in der Zusammensetzung etwas an die Ursprünglichkeit der Kunstkammern erinnert. Die Ausstellung ist in mehrere, kleine solcher Kunstkammern gegliedert – etwa einen Green-Room oder ein Raum, in dem Kinderporträts der Erzherzöge von Österreich einer Kinderrüstung gegenübergestellt werden.

Kaiserkinder

Damit folgen sie den ganz ursprünglichen Prinzipien beim Anordnen einer Wunderkammer, das aus der Renaissance stammt – dabei ging es eben weniger um die Zeit oder die Ursprungsregion, sondern viel mehr um Thema, Farbe oder Material. So gibt es etwa in einem der insgesamt 8 Kabinetten Flaschen aus der Zeit der römischen Kaiser, ein Schurz aus Peru und eine Sammlung prachtvoller Vögel aus Peru, die der Sammlung des Naturhistorischen Museums entnommen wurden. Das einzige, was die Stücke in einen Zusammenhang setzt in diesem „Green Room“ ist die Farbe grün. In einem weiteren der insgesamt 8 Kammern wiederum geht es ausschließlich um Hüllen und Boxen, in dem in etwa das Futteral der österreichischen Kaiserkrone ausgestellt wird.

Sie haben auch einige Kuriositäten zu Tage gefördert, etwa Porträts der kaiserlichen Familie, die viel über den mentalen Zustand einiger Mitglieder zeigen, oder auch Porträts von Kindern, die an Hypertrichiose leiden. Ein Ausstellungsstück brachten Anderson und Malouf gleich selbst mit. Im Tierraum liegen Emu-Eier, die nicht etwa aus der Sammlung des NHM kommen. Da das Ausleihen zu aufwendig gewesen wäre, brachten sie die Eier kurzerhand selbst von einem Emu-Hof in Österreich mit.

Du hast Haare im Gesicht


Der Eindruck, der einem bei dem Besuch der Ausstellung entsteht, ist ein ganz anderer, wie man ihn sonst bei nach wissenschaftlichen Kriterien zusammengestellten Sammlungen kennt. Ausgewählt wurden außergewöhnliche Stücke, die zum Teil noch nie öffentlich gezeigt wurden. Und so dauerte es 4 Jahre von den ersten Plänen bis zum Beginn der Ausstellung, denn einige Stücke mussten erst von Restauratoren in einen vorzeigbaren Zustand gebracht werden.

Wer das Kunsthistorische Museum mal ganz anders erleben möchte, mal ganz auf das Optische und nicht auf das Wissenschaftliche ausgelegt, der sollte sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen – und dabei auch auf die kleinen, kuriosen Anspielungen achten, etwa das Katz- und Mausspiel oder Anspielungen auf „The Grand Budapest Hotel“ – ich will aber nicht zu viel verraten – denn Anderson und Malouf schicken die Besucher einfach auf eine spannende Entdeckungsreise im Kunsthistorischen Museum.

Hüllen und Boxen
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