Behind the Scences – Zu Besuch im Theater in der Josefstadt

Das Theater hat in Wien eine lange Tradition – und das nicht nur am Hof des Kaisers. Schon bald entstanden die drei bekannten Vorstadttheater – das Freihaustheater, das Theater in der Leopoldstadt und die Josefstadt. Als letztes davon ist die Josefstadt noch in der ursprünglichen Form erhalten und ist damit die älteste noch bespielte Theater Wiens (seit 1788). Die Bühne entstand als Wirtshausbühne, um dem Gasthaus „Bey den goldenen Straußen“ mehr Umsatz zu bescheren. Doch schon 1822 war das Haus zu klein für den gigantischen Erfolg. Heute ist die Josefstadt mit mehr als 350000 Zuschauern und 700 Vorstellungen pro Spielzeit eine erfolgreichsten Bühnen des Deutschen Sprachraums.

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Perspektivwechsel – Blick in den historischen Zuschauerraum

Wahre Legenden machten die Josefstadt zum weltweit anerkannten und einem der traditionsreichsten Theater. Große Namen wie Ludwig van Beethoven oder Richard Wagner dirigierten das Orchester, Johann Nestroy und Ferdinand Raimund gaben ihr Wiendebut als Schauspieler auf eben dieser Bühne. Und noch heute werden Namen wie Vilma Degischer, Hans Moser oder die Hörbiger Familie mit dem Josefstadttheater verbunden.

Zum gegenwärtigen Emsemble gehören große Namen der Österreichischen Bühne Herbert Föttinger (der gleichzeitig auch Direktor des Theaters ist), Harald Serafin, Julia Stemberger oder Michael König.

Das Theater ist in sich gewachsen. Und das spürt man auch bei einem kleinen Blick hinter die Kulissen. Verwinkelt geht es hier zu, wenn man durch die zahlreichen Gebäude des Häuserblocks läuft.

#Alles Handarbeit – In den Malersälen der Josefstadt

In der Josefstadt werden alle Teile der Bühne in der eigenen Werkstatt, dem Malersaal hergestellt. Einige der Bühnenmaler haben es sogar schon zu eigenen Ausstellungen gebracht. Mit viel Liebe zum Detail wird hier gewerkelt und das spürt man auch, wenn man sich das jeweilige Stück anschaut. Selbst die Farbpigmente werden eigenhändig zu den benötigten Farben zusammengemischt und in riesigen Schubladen gelagert.

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Neben dem Malersaal gibt es in der Josefstadt auch eine eigene Tischlerei, eine Schlosserei und eine Möbel-Tapeziererei, so dass weitestgehend alles selbst hergestellt werden kann, was auf der Bühne so benötigt wird. Insgesamt sind 19 Handwerker am Bau der Bühnenausstattung in der Josefstadt beteiligt.

#Auf der Bühne und auf dem Schnürboden

Auf der Bühne der Josefstadt zu stehen – dazu hat sicherlich nicht jeder Besucher die Gelegenheit. Auch wenn man sich hier den besten Überblick über das denkmalgeschützte Theater verschaffen kann.

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#Der Kostümfundus

Ein gewisses Platzproblem spürt man am ehesten im Fundus für Kostüme und Accessoirs. Vieles wurde ausgelagert – aber man geht durch die Räumlichkeiten. Dort werden in riesigen Kommoden und Kartons alles mögliche gelagert – von Socken über BHs bis hin zu Federboas. Ein bisschen fühlt man sich zwischen all den Knöpfen und Stoffbahnen, zwischen all den Kostümen ein bisschen wie im Theaterparadies. Selbstverständlich hat das Theater nicht nur Bühnenbildner angestellt, sondern eben auch Kostümbildner, die hier wahre Meisterwerke vollbringen und die Kostüme bis ins feinste Detail herstellen.

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#Im Allerheiligsten – Die Künstler-Garderoben

Es bot sich für mich auch die Gelegenheit, einen Blick in die Künstlergarderoben zu werfen. Jeder der Schauspieler hat an dem Abend eine eigene Garderobe. Die kleinen Räumlichkeiten werden für jedes Stück pro Saison vergeben und je nach Stück besetzt. Als wir durchgehen, sind die Künstler noch nicht da, doch für jeden sind schon Kostüme und Accessoirs bereitgelegt – alles bis hin zu den Socken. Sonst sind die Garderoben individuell nach den Vorlieben der Künstler schon vorbereitet.

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#Als Zuschauer ist man Kaiser

Das Theater in der Josefstadt verfügt über 609 Sitzplätze und 10 Stehplätze. Hier vermischt sich die Tradition mit der Moderne. So sieht man hoch oben, mittig über der Bühne, noch immer den doppelköpfigen Adler – das Wappentier aus Zeiten der Habsburger. Die kaiserliche Loge allerdings ist heute angefüllt mit allerhand modernstem Lichtequipment.

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Blick vom ersten Rang auf die Bühne

Die letzte Sanierung des Theaters fand in den Jahren 2006/07 statt. Der Bühnenraum wurde dazu mit neuer Lichttechnik ausgestattet und der Schnürboden automatisiert. Zuvor wurde hier noch mit Gegengewichten gearbeitet. Zusätzlich wurde der Zuschauerraum voll klimatisiert und das Foyer erneuert. Optisch jedoch blieb der denkmalgeschützte Theatersaal unangetastet. Rein optisch ist es somit in einem Zustand wie nach der Renovierung von 1924 durch Max Reinhardt, der es im Stil des Teatro La Fenice in Venedig umbauen lies. Von damals stammt auch der fahrbare venezianische Lüster im Zentrum des Raums, den man in der Höhe verstellen kann.

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609 Sitzplätze aus rotem Samt

Infos

Josefstädter Straße 26, 1080 Wien

Kartenbüro:

Telefon: +43 (0)1 42 700 – 300

Öffnungszeiten der Theaterkassa:

Werktags Mo bis Fr von 10.00 Uhr
Sa, So und Feiertag von 13.00 Uhr
jeweils bis zum Beginn der Abendvorstellung.

An Tagen, an denen eine Matinée stattfindet,
öffnet die Kasse bereits eine Stunde vor Beginn.
Am Karfreitag geschlossen.
Am 24. Dezember von 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr geöffnet.

 

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3 Kommentare

  1. Ach wie schön. Vor einigen Jahren habe ich eine Führung durch unseren Theater machen dürfen und fand das sehr interessant. Vorstellen aber selber auf einer zu stehen, könnte ich nicht.
    Ein toller Einblick von dir. Schöne Bilder.

    Alles liebe

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  2. Guten Morgen,
    ich liebe Theater oder Freilichtbühnen wo was vorgeführt wird.Ein sehr schöner Einblick hinter die Kulissen. Das bringt einem das Theater nochmal näher. Wird viel zu wenig geschätzt. Für viele ist das ja immer leider direkt altbacken. Sehr schöne Fotos.
    LG Nadine

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