Mittelalterliche Bretagne – Locronan im Finistére

Unweit von Quimper liegt ein kleines Dorf in der Bretagne, das zu einem der beliebtesten touristischen Ziele gehört. Ich spreche vom kleinen Locronan, das über einen der wenigen vollständig erhaltenen mittelalterlichen Stadtkerne der Bretagne verfügt.

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Dorfplatz mit Brunnen

Seinen Namen und seinen Status als Wallfahrtsort erhielt das Dörfchen schon im 7. Jahrhundert, als der irische Bischof Ronan als Missionar in die Bretagne kam. Er wurde hier begraben. Die Kirche, die im Mittelalter über seinem Grab errichtet wurde, bildet heute das Zentrum des Dorfs, umgeben von zahlreichen Galerien und Crêperien. Die Vorsilbe Loc in Locronan erhielt das Dorf nach dem bretonischen Wort für Einsiedelei. Zu Ronans Gedenken findet hier alle 6 Jahre rund um seinem Gedenktag im Juli, eine große Prozession statt, die 12 km lange Troménie, die das nächste mal 2019 stattfinden wird. Dazu kommen Tausende Bürger der Bretagne zusammen und ziehen in einem weiten Kreis um das Grab, teils in traditionellen Kostümen und mit Fahnen, vereint in der Wallfahrt.

Die Kirche an sich stammt aus dem 15. Jahrhundert und beeindruckt schon aufgrund ihrer großen, vorgelagerten Arkade zwischen den beiden optisch sehr unterschiedlichen Türmen.

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Die Grabeskirche des heiligen Ronan
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In der Kirche aus dem 15. Jahrhundert mit opulenter Kanzel

Zudem gibt es unterhalb des Dorfes noch die kleine, sehr sehenswerte Kapelle Notre-Dame-de-Bonne-Nouvelle. Sie stammt in ihren Ursprüngen aus dem 15. Jahrhundert. Dazu kommt ein Brunnen und ein Kalvarienberg, der aus dem 17. Jahrhundert stammt. Die Kapelle beeindruckt vor allem durch ihren zweigeteilten Kirchenraum und durch das Licht, das durch die bunten Fenster fällt, die allerdings neueren Datums sind. Sie wurden 1985 nach Entwürfen des Malers Manessier eingebaut.

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Seinen Reichtum verdankte die Stadt allerdings den Segeltuchwebern, die seit dem Mittelalter die zahlreichen Fischer an der Küste mit hochwertigen Segeln versorgten. Heute aber lebt das kleine Dorf vom Tourismus – jährlich besuchen beachtliche etwa 500.000 – 800.000 Gäste die kleine Ortschaft.

Der Ortskern blieb vollständig mittelalterlich und lockt Touristen wie Künstler an. So nutzte etwa Roman Polanski das Dörfchen als Kulisse für seinen Film Tess, der für Nastassja Kinski den internationalen Durchbruch bedeutete oder Patrick Bach ging hier als Silas in 6 Folgen der bekannten Weihnachtsserie durchs Leben und wurde damit zum Kinderstar.

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Insgesamt lädt Locronan (zumindest in der Nebensaison) zum flanieren ein. Die vielen, kleinen Gässchen mit den Kunstgalerien und den Souvenirshops, den Crêperien und kleinen Bars haben viel zu entdecken und viel mittelalterliches Flair. Ich muss allerdings betonen – viele, die schon in Locronan waren, werden die Straßen dort nicht so leer kennen. Locronan ist ein Touristenanziehungspunkt in der Bretagne und zwischen Juni und September würde ich eher die frühen Morgenstunden oder den Abend für meinen Besuch bevorzugen.

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Info

Es gibt an beiden Seiten des Ortskerns große Parkplätze. In der Nebensaison (ab September) sind die Parkplätze kostenlos, sonst gibt es einen Tagessatz von 6€.

Wir waren im Oktober dort und hatten keine Probleme mit Touristenmassen – in der Hauptsaison soll das wohl anders sein und dann sind wohl frühe und sehr späte Tageszeiten empfohlen – im Oktober ist die Tageszeit aber definitiv relativ egal.

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