Brocéliande – Im Märchenreich von König Artus und Merlin, dem Zauberer*

Die Brocéliande ist einer der letzten urtümlichen Wälder der Bretagne. Ursprünglich bedeckte dieser wilde Wald das gesamte Gebiet der inneren Bretagne. Durch Landwirtschaft und Brände umfasst er heute nur noch die Region um Paimpont und das Val sans Retour.

Hier kann man auf den Spuren von König Artus uns seiner Tafelrunde wandeln und den Sagen rund um den legendären Zauberer Merlin und die Fee Viviane folgen.

Hauptorte des Geschehens sind hier Paimpont mit seinem alten Kloster von Notre Dame, das bereits im 7. Jahrhundert von Bischof Judicael aus Saint Malo gegründet wurde und das unweit gelegene Tréhorenteuc mit seiner Gralskirche und dem Tal ohne Wiederkehr.

Paimpont – Ein Rundwanderweg und eine alte Abtei

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Auf den Spuren von König Arthus im Fôret de Paimpont

Am See von Paimpont gibt es einen etwa 4,5 km langen Rundwanderweg, der größtenteils auf Holzstegen verläuft – wird es besonders moorig, muss man allerdings auch schon einmal über in den Boden gerammte Baumstämme balancieren. Hier kann man einen ersten Blick in den Märchenwald werfen und dabei immer wieder das atemberaubende Panorama des alten Klosters am See genießen. Der Boden ist mit Farnen bedeckt und die Uralten Bäume bilden selbst im Frühherbst noch ein dichtes Blätterdach.

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Blick auf die Abtei

Das alte Städtchen hat rund um das Kloster seinen Charakter bewahrt. Notre Dame de Paimpol, die Kirche, stammt aus dem 13. Jahrhundert, das Kloster wurde schon im 7. Jahrhundert gegründet. Das heute säkularisierte Kloster bildete bis ins 17. Jahrhundert den geistige Mittelpunkt des Waldes – erst mit der Französischen Revolution erhielt der Ort Marktrechte und wurde somit zu einem wirtschaftlichen Zentrum in der inneren Bretagne – davon zeugt noch eine aus dem 17. Jahrhundert stammende Schmiede. Heute lebt der Ort größtenteils vom  Tourismus.

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Gotische Abteikirche

Parken kann man kostenlos direkt am Seeufer unweit des Eingangs zum Kloster. 

Tréhorenteuc – Meine Rückkehr aus dem Tal ohne Rückkehr

1990 wütete ein Waldbrand in der Brocéliande, der rund 10% des Waldgebiets zerstörte. Ausgerechnet das berühmte Val Sans Retour war am stärksten betroffen. Davon zeugt noch heute ein goldener Baum zwischen zwei verkohlten Stümpfen, der die Wanderer am Eingang des Tals ohne Wiederkehr empfängt (die meisten kommen übrigens durchaus zurück). Wiederaufforstung und 28 Jahre haben einen guten Job getan – heute ist das Tal wieder dicht bewachsen, nur oben an den steilen Hängen sind noch große, leere Flächen, die sich die Natur erst langsam zurückholt.

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Der goldene Baum zur Erinnerung an den Waldbrand von 1990

Zahlreiche Sagen handeln – wie überall in der Brocéliande – natürlich auch vom Tal ohne Wiederkehr. Die Fee Morgane, die Halbschwester von König Artus, war eine von Eifersucht geprägte Frau. Sie wanderte häufig durch das Tal, in Sehnsucht nach Guyomard, in den sie unsterblich verliebt war. Doch eines Tages erwischt sie die beiden am Kamm des Tals inflagranti und versteinert die Liebenden. Die beiden miteinander verbundenen Steine bilden dort bis heute eine Formation. In ihrer Wut verzaubert sie das ganze Tal – wer durch es wandert, soll hier für immer eingesperrt sein, ohne Vorstellung von Zeit. Erst der legendäre Ritter der Tafelrunde, Sir Lancelot, brach den Zauber und zwang Morgane, die umherirrenden zu befreien.

Heute muss man nicht befürchten, nicht mehr aus dem Tal wiederzukehren. Aber wer weiß, vielleicht ändern Morgane ja plötzlich ihre Meinung – und wer will schon auf Sir Lancelot warten?

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Feenspiegel

Oben am Kamm, dort wo der Waldbrand am stärksten gewütet hat, wandert man außerdem entlang einer besonderen Gesteinsformation. Hier soll Merlin nach der Fee Viviane Ausschau gehalten haben.

Zudem liegt im Tal ein großer See, in dem sich die Feen betrachtet haben sollen. Wer ihnen hier bei der nächtlichen Wäsche half, bekam keine Chance auf eine lebende Wiederkehr.

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Val Sans Retour von oben

Den Wanderweg im Tal teilt man sich zum Teil mit einem kleinen Flusslauf (der aufgrund des trockenen Sommers momentan ohnehin trocken ist. Entlang des Weges haben die Wanderer unzählige kleine Steinmännchen aufgestapelt, Formationen, die sich ständig wandeln.

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Mein Tipp: Die meisten Wanderer gehen direkt rechts vom Camping-Parkplatz in Richtung Tal ohne Wiederkehr. Es gibt aber unmittelbar links einen Weg, der den Berg hinaufführt. Von hier kann man an der oberen Kante des Tals entlang entdecken, wie tief der Einschnitt ist. Hier hat der Waldbrand von 1990 die größten Schäden angerichtet, schattenspendende Bäume gibt es kaum, dafür aber schöne Picknickplätze. Der Weg führt entlang von Merlins Sitz. In einem Bogen kommt man dann von hinten ins Tal – der Rundweg ist etwa 5 km lang und am Ende kommt man am goldenen Baum vorbei zurück zum Parkplatz.

In Tréhorenteuc befindet sich außerdem die Kirche des Grals. Die kleine Dorfkirche Sainte Onenne wurde in den Jahren 1942 – 1962 von Pfarrer Gillard restauriert. Der Pfarrer arbeitete seine Leidenschaft für die Gralssage mit ein. Die vier Tafeln des Chors stellen Szenen der Artussage (Morgan und das Tal ohne Wiederkehr, der Brunnen von Barenton und Yvan, Pontus und Sidonia?) und der Legende des Grals (der Kelch, den Jesus für das Letzte Abendmahl verwendete und in dem Josef von Arimathäa das Blut Christi am Kreuz auffing) dar.

Merlins Grab und der Jungbrunnen – okay…?

Eher enttäuschend waren für mich die anderen mythologischen Orte, etwa Merlins Grab. Am Parkplatz halten die Busse mit den Reisegruppen und finden nur die kläglichen Reste eines alten Dolmen vor. An einer Stechpalme werden die Wünsche an den großen Zauberer, der hier nur auf seine Wiederkehr warten soll, gepinnt, genauso wie ein paar Haarlocken – wirkliche Verbindungen zum großen Zauberer will hier so gar nicht auftauchen. Genauso ist es beim nur etwa 50 m entfernten Jungbrunnen – ein kleines gemauertes Becken, in dem sich weder Schwimmen noch das Trinken des Wassers anbietet – man steht mehr davor und denkt sich mit einem Stirnrunzeln „Ahaaa“. Das einzig mythologische Element waren die vielen Spinnen, die in einigen Sträuchern rund herum ihre Eier abgelegt haben…

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Merlin was here

Brocéliande – Mein Fazit

Wir waren leider nur einen Tag in der Brocéliande unterwegs und haben bei weitem nicht alle der mythologischen Orte aus der Artussage besuchen können. Der Märchenwald ist dennoch ein echtes Wanderparadies, in das ich mich verliebt habe. Nur wenig blieb vom ursprünglichen Waldgebiet übrig, doch dies ist perfekt für Wanderer und Mythologiefans.

Man kann die vielen Sagen gar nicht erfassen, die sich auf engstem Raum abgespielt haben, sehr wohl aber – ganz unabhängig davon – die Atmosphäre, die der Wald ausstrahlt. Man sieht schon beinahe den bösen Wolf hinter dem Baum lauern oder Hänsel und Gretel durch den Wald spazieren.

Die Brocéliande ist übrigens Schauplatz des aktuellen Bestsellers rund um den berühmten Commissaire Dupin.

Hotels in der Brocéliande findet ihr übrigens hier… (booking.com).

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6 Kommentare

  1. Wow die Panorama ist ja wirklich unglaublich schön! Die Sagen kannte ich bisher noch gar nicht darüber – witzig aber, wie sich gewisse Ortschaften in Geschichten weitererzählen lassen 🙂 Die Impressionen sind jedenfalls richtig toll!

    Lieben Gruß,
    Alice von alicechristina.com
    Alice Christina  auf Instagram

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  2. das schaut wirklich richtig schön und verträumt aus 🙂
    ich bin mit den Sagen um König Arthur aufgewachsen, das wäre richtig schön mal in Natura zu sehen!

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

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  3. Das sieht wirklich märchenhaft aus! Falls Ihr mal in NRW unterwegs seid: dort gibt es den Nationalpark Eifel mit der ehemaligen Burg Vogelsang und einer im Herbst auch wunderbaren Landschaft, die an Canada erinnert! Drei Seen in der Mitte und aussenherum alles hügelig! Sehr reizvoll und leckeres Essen in den Städten und Dörfern rund um Gemünd und Einruhr …. Schönen Abend Euch! LG, Sirit

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