Ferrara – Mein Geheimtipp in der Emilia Romagna

Denkt man an die Emilia Romagna, denkt man vermutlich zuerst an Bologna – vielleicht kommen einem noch Modena und Ravenna in den Sinn. Ich muss aber zugeben, Ferrara war mir erst in den Sinn gekommen, als ich den Reiseführer gelesen habe. Daher ist die kleine Stadt im Norden der Region für mich mein kleiner Geheimtipp in der Emilia Romagna.

Ferrara

Ferrara ist etwas Besonderes. Die Stadt in der Po-Ebene entstand im Gegensatz zu vielen anderen Städten der Region erst im Mittelalter und hat diesen mittelalterlichen Stadtkern bis heute erhalten können. Die Stadt wurde von den Este regiert. Der Stadtkern, der heute zum Welterbe der UNESCO gehört, wurde später von Renaissance-Architekten erweitert.

Piazza dei Diamanti an der Renaissance Prunkstraße Corso Ercole I. d’Este – Im Hintergrund Castello Estense

Geschichte

Die Siedlung Ferrara in der Po-Ebene wurde erstmals 753 erwähnt und somit entstand sie wesentlich später als die meisten anderen Großstädte in Italien. 1146 übernahm die Familie der d’Este die Herrschaft in Ferrara und führte die Stadt zur Blüte. Die Stadt beherrschte später die gesamte Region und erhielt unter anderem die Lehen von Reggio und Modena.

Die Kathedrale von Ferrara – derzeit eingerüstet

Die d’Este schlossen mächtige Verbindungen, unter anderem heiratete Alphonso d’Este die berühmte Lucrezia Borgia, die uneheliche Tochter des mächtigen Papstes Alexander VI. und führte Krieg gegen Venedig.

Mittelalterliche Gassen von Ferrara

Die engen und schattigen Gassen des mittelalterlichen Stadtkerns führen auf den Piazza del Cattedrale zu. Sie sind weitestgehend bis heute erhalten und verleihen dem Stadtviertel einen ganz eigenen, beinahe labyrinthartigen Charakter.

Piazza delle Cattedrale mit dem Pallazo Municipio im Hintergrund

Die Kathedrale von Ferrara stammt in ihrem Kern aus dem 12. Jahrhundert. Momentan (April 2019) wird sie aufwendig saniert und kann daher nicht in ihrem Inneren bestaunt werden. An ihren Außenmauern gibt es Arkaden, in denen sich kleine Geschäfte angesiedelt haben.

Rund um den Dom von Ferrara

Das Castello Estense liegt am Rande des mittelalterlichen Viertels. Die mächtige Wasserburg diente den Herzögen von Este als Residenz. Erst mit dem Umzug der Herzöge ins nahegelegene Modena im 16. Jahrhundert verlor die Burg mächtig an Bedeutung.

Die Burg wurde übrigens beim Erdbeben in der Emilia Romagna 2012 stark zerstört.

Bei Besichtigungen erlebt man die berühmte Gemäldegalerie der Este, genauso wie die eindrucksvollen Verließe, die Gemächer der Herzoginnen und Herzoge.

Castello Estense – Die Regierungsburg

Der berühmte Hofarchitekt Biagio Rossetti plante die erste moderne Stadterweiterung der Geschichte. Als der Stadtkern zu Renaissance-Zeiten zu klein wurde, entstand das rein im Stile der Renaissance gehaltene Viertel mit breiten Straßen. Auch die Befestigung wurde erweitert, so dass auch die großen Adelspalazzi unter dem Schutz der Stadtbefestigung standen.

Breite Straßen im Renaissance-Viertel von Ferrara

Prunkstück des Viertels ist der berühmte Palazzo dei Diamanti mit der eigenwilligen Marmorfassade mit der Struktur großer Diamanten, die dem Haus seinen Namen gab. Entworfen wurde es vom großen Stadtplaner Biagio Rossetti höchstselbst. Der Frührenaissancebau wurde 1492 begonnen und 1567 mit dem Kreuzgesims vollendet.

Außenhaut aus Diamanten – der Palazzo Dei Diamanti
Außenhaut aus Diamanten – der Palazzo Dei Diamanti

Heute ist in dem Bau ein großes Kunstmuseum. Im Obergeschoss befindet sich die Nationalgalerie mit großen Künstlern aus der Geschichte Ferraras. Im Erdgeschoss werden in temporären Ausstellungen Künstler der Gegenwart gezeigt.

Ferrara – Eine Reise wert?

Ferrara hat für mich ein ganz eigenes Flair. Mit seinem Fahrradwegesystem ist sie Metropole der Bikes, was man auch spürt, wenn man durch die Stadt flaniert. Am Besten geht man wohl mit dem Rad auf Erkundungstour.

Das Flair bestimmen die beiden architektonisch scheinbar gegensätzlichen Hälften des historischen Stadtkerns – man hat die engen Gässchen in den mittelalterlichen Gebieten rund um den Dom. Kaum überschreitet man die Corso della Giovecca, landet man auf den breiten Corsos, die flankiert sind mit Renaissance-Palästen, die das größte architektonisch einheitliche Stadtviertel seiner Art bilden.

Ich hätte gerne – wie immer – noch viel mehr Zeit gehabt, wir waren 4 Stunden in Ferrara unterwegs. Ich hätte gerne noch ein paar der Straßencafés an der Via Guiseppe Mazzini probiert und wäre gerne noch ein bisschen entlang der prächtigen Straßen flaniert. Ein Grund für mich wiederzukommen? Auf alle Fälle!

Parken & Co

Parken kann man gut an der Piazzale Kennedy (ausgeschildert als Parcheggio Centro Storico). Parken kostet 1,50€/h. Von dort geht man entlang der alten Stadtmauer ins historische Zentrum der Stadt. Das ist größtenteils verkehrsberuhigt bzw. für Autos komplett gesperrt. Ferrara gilt daher auch als Stadt mit der größten Fahrraddichte Italiens – so etwas wie das Münster Italiens.

Was allerdings auf dem Platz relativ stark ist: es lungern Leute herum, die einen zum nächsten freien Parkplatz winken wollen oder am Kassenautomaten um einem aufdringlich zu helfen. Die gehören nicht zum Parkplatzpersonal, es sind Flüchtlinge, die das für ein Trinkgeld tun. Sie werden allerdings relativ aufdringlich, was man nicht fördern sollte.

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