Leica World in Wetzlar – Willkommen im Kamera-Himmel

Der Name Leica ist im Zusammenhang mit Kameras ein echter Mythos – Kameras aus der hessischen Kleinstadt Wetzlar erzielen je nach Alter auf Auktionen utopische Preise und bis heute findet die Fertigung der echten Leica-Kameras in Handarbeit statt.

Ich durfte mich am hochmodernen Standort im mittelhessischen Wetzlar mal ein bisschen umschauen. Schon die Architektur des 2012 bis 2014 am Stadtrand errichteten Werks entführt einen in eine andere Welt – in ein Paradies für Kamerafans.

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Leica World

Geschichte von Leica

Die Firma Leitz wurde 1849 als optisches Institut in Wetzlar gegründet und beschäftigte sich zunächst ausschließlich mit der Fertigung von Mikroskopen. 1869 unter Ernst Leitz wurde das Werk ausgebaut und umbenannt. Erst ab der Wende zum 20. Jahrhundert begann man sich mit der Herstellung von optischen Geräten wie Ferngläsern und professionellen Filmkameras zu beschäftigen.

Einen Meilenstein der Firma war das Jahr 1914 als Oskar Barnack, der Leiter der Filmkameraentwicklung, seine Ur-Leica vorstellte, die noch heute als eine der ersten Kleinbildkameras gilt (auch wenn es nicht, wie oft behauptet, DIE erste Kleinbildkamera war). Die Idee dazu war, dass man mit dem Gerät Teststreifen eines 35 mm Kinofilms probeweise belichten zu können um sich aufwendige Probebelichtungen beim Filmen zu ersparen. Er produzierte zwei Prototypen, die er auch auf privaten Wanderausflügen nutzte – nur eine der Ur-Leicas ist erhalten geblieben – selbstverständlich kann man sie heute in Wetzlar bewundern. Erstmals waren Filmtransport und Verschlussaufzug bei einer Kamera miteinander verbunden, eine große Innovation, die eine Doppelbelichtung verhinderte. Zudem gab es den ersten aufschraubbaren Objektivdeckel, der einen Lichteinfall auf den Film verhinderte.

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Die „Ur-Leica“ – vermutlich die teuerste Kamera der Welt

1924 beschloss die Unternehmensleitung, mit der Produktion in kleinem Maße in Serie zu gehen und der Erfolg der Leica I. war unschlagbar. Man etablierte damit das Kleinbildformat 24 x 36 mm und die wesentlich kleineren Kameras waren leichter transportabel. Optimal geeignet war sie für Journalisten und so entstanden rund um die Welt die bekanntesten Bilder mit einer Leica Kamera.

Seit 2014 werden die Kameras und Ferngläser wieder im modernen Werk Wetzlar hergestellt, nachdem man lange Zeit im nahen Solms produzierte.

Kamera-Ausstellung

Im Zentrum der Kameraausstellung steht selbstverständlich die einzige erhaltene echte Ur-Leica von 1914. Drum herum sind 10 weitere Meilensteine aus 104 Jahren Leica-Geschichte aufgebaut, darunter auch die legendäre digitale Spiegelreflexkamera Leica S, die seit 2008 produziert wird und mit einer Größe von 45 mm × 30 mm (3:2) eine innovative Sensorgröße definiert.

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Die Geschichte der Kamera

Leica-Galerie

Neben einem Ausflug in die Geschichte der Kleinbildkamera bietet die Leica-Welt natürlich auch Leica-Fotografen eine Bühne. In wechselnden Ausstellungen werden hier Fotografien aus aller Welt gezeigt.

Die derzeitige Ausstellung bietet den Nominierten und Preisträgern des renomierten Leica Oskar Barnack Award die Möglichkeit, ihre Arbeit der Öffentlichkeit zu präsentieren. In diesem Jahr die Sieger sind Terje Abusdal und Sergey Melnitchenko.

Zur permanenten Ausstellung gehören die 36 aus 100 – 36 legendäre Aufnahmen aus 100 Jahren Firmengeschichte.

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36 aus 100

Ein Blick in die Fertigung

Ein Gang hinter dem Hauptmuseum ermöglicht einen direkten Blick in die Fertigung im Werk. Mit großen Infotafeln wird erläutert, was an den jeweiligen Plätzen gerade getan wird, etwa die Montage des Fokusrings oder des Messsensors aus beeindruckenden 127 Teilen.

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Blick in die Fertigung

Mein Eindruck

Kaum ein Unternehmen präsentiert sich derartig offen. Schon im Zentrum des Parkplatzes wartet ein futuristisches Café, auf die Besucher auch das Kasino ist für Besucher geöffnet und eine derartige Erlebniswelt mit freiem Eintritt habe ich noch nicht erlebt. Natürlich gibt es auch einen obligatorischen Flagshipstore, doch der lädt nicht wirklich zu Spontankäufen ein, schon ein einfaches T-Shirt gibt es nicht unter 20€.

Schon die Fotoausstellung beeindruckt – gerade bei den 36 aus 100 (36 Fotos aus 100 Jahren) ist beeindruckend, die meisten Bilder hat man in der Tat schon irgendwo gesehen, das nackte Mädchen auf einer Straße in Vietnam, das kurz zuvor von Napalm getroffen wurde beispielsweise oder auch die Faust von Muhammad Ali.

Die Leica-World liegt nicht weit von der A45 (Abfahrt Wetzlar-Süd) – ein kleiner Abstecher lohnt sich zu 200%.

Info

Leica Camera AG
Am Leitz-Park 5
35578 Wetzlar

Telefon: +49 (0) 6441 – 2080-0
Fax: +49 (0) 6441 – 2080-333

E-Mail: info@leica-camera.com 

Öffnungszeiten:
Montag – Freitag 10.00 – 20.00 Uhr
Samstag/Sonntag 10.00 – 18.00 Uhr

Eintritt frei!

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11 Kommentare

  1. Das ist ja cool! Wenn ich mal in der Nähe bin, muss ich dort unbedingt auch vorbeischauen! Klingt echt spannend! Und dass es noch dazu kostenlos ist – richtig cool! Danke für diesen tollen Tipp!!
    Liebe Grüße
    Julie

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  2. Ich fotografiere sehr gerne, aber eine Leica habe ich nie besessen, auch wenn ich durchweg Gutes über diese Marke gehört habe! Die Ausstellung klingt sehr interessant und auch, dass man bei der Produktion wirklich fast über die Schulter schauen kann!

    Liebe Grüße
    Jana

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  3. Ein toller Beitrag und das kommt auf meine Liste der Dinge,die ich noch sehen möchte. Danke für die Inspiration. Ich hatte vorher noch nie etwas von der Erlebniswelt gehört … und bei freiem Eintritt ist es ja doppelt toll 🙂
    Liebe Grüße, Manja

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  4. Das hört sich ja richtig interessant an. Die Kameras kannte ich und habe schon sehr viel gutes darüber gehört. Wusste gar nicht das es es so eine Ausstellung gibt. Danke für den Tipp. LG Nadine

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  5. Wow… Die Kamera Sorte kenn ich gar nicht. Man lernt nie aus.
    Wenn wir mal nach Wien fahren werden wie vorbei schauen. Danke für den tollen Beitrag 😍
    Liebe Grüße Madeleine

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  6. Wetzlar ist mir letzter Zeit ein paar Mal untergekommen. Die Stadt soll ja recht schön sein. Und wenn sie auch noch so ein tolles Museum zu bieten hat, sollte ich mir einen Besuch mal wirklich überlegen. Danke dir! Lg Barbara von Reisepsycho

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  7. Haha, ich muss mich nun etwas als „Kamera-Outsider“ outen (Wortwitz). Als ich bei Facebook deinen Satz „wer liebt sie nicht“ gelesen habe, war mein erster Gedanke „was ist das?“ 😀

    Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass das was für meine Freundin ist, die zwar keine Leica-Kamera hat, aber eher die Fotografin bei uns ist. Ich leite das also gerne mal weiter.

    Besten Gruß
    Henrik von Fernweh-Koch
    Fernweh-Koch bei Pinterest

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